Druckschrift 
Tägliches Handbuch in guten und bösen Tagen, enthaltend Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Gesunde, Betrübte, Kranke und Sterbende wie auch Sprüche, Seufzer und Gebete den Sterbenden vorzusprechen nebst Fest-Andachten ... und einem täglichen Gebetbüchlein für Schwangere, Gebärende, Wöchnerinnen und Unfruchtbare / von Joh. Friedr. Stark ...
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Erinnerung, Trost und Gebete

gnädiger Gott ist, der sie liebe und ihnen gewogen sei. Hat eine Tulpe schon nicht so viel Blumen als der Rosenstock, so ist sie doch dem Gärtner und Herrn des Gartens ein liebes Gewächs. Wie viel Bäumlein zieren nur den Garten und tragen doch keine Früchte, und man hat dieselben doch gerne im Garten stehen. Also sind auch unfruchtbare Eheleute Gottes liebe Kinder, ob sie gleich andern an Fruchtbarkeit nicht gleich sind.

2) Sollen sie sich erinnern, daß Kinder eine Gabe des Herrn sind; wem er diese Gabe nicht geben will, der soll darum nicht wider Gott murren, noch scheel sehen, wenn Gott einem viel, dem andern weniger giebt; Gott ist der Herr in seinem Haus, wie er will, so teilt er aus. Gott hat sich vorbehalten drei Schlüssel: den Schlüssel zum Grab, denn niemand kann Tote auferwecken als Gott; den Schlüssel zum Regen, denn kein Göze kann Regen geben, und kein Mensch kann regnen lassen; und den Schlüssel zum Mutterleibe, da kann niemand öffnen, wenn der Herr zuschließt, und niemand zuschließen, wenn der Herr öffnet. Ift aber diese Vorenthaltung des Ehesegens Gottes gnädiger Wille, so haben solche Eheleute eine Probe ihrer Geduld, Gelassenheit und Hoffnung zu beweisen.

3) Unfruchtbarkeit ist kein Zeichen des Zornes Gottes; denn daß Gott nicht zornig über sie sei, sollen sie daher annehmen, weil es ihnen Gott an andern Wohlthaten nicht fehlen läßt; er giebt ihnen leibliche Gaben, Gesundheit, Segen, Nahrung, Wohlergehen, welches alles er zuweilen denen, die Kinder haben, nicht so reichlich erteilet, sondern Krankheit, Kinderkreuz und Elend ihnen reichlich zumißt. Gott giebt ferner denen, welche ohne Kinder sind, die himmlischen Gaben, als Freude in Gott, Frieden mit Gott, die Gerechtigkeit Jesu Christi, Trost und Wonne. Dadurch sie ja abermals über­zeugt werden, daß Gott nicht zornig über sie sei; denn wer unter Gottes Zorn und Ungnade steht, der muß gewiß der himmlischen Gaben entbehren.

4) Es sollen unfruchtbare Eheleute gedenken, daß Gott auch hierin ihnen eine besondere Gnade erweise, und ihres Leibes und Gemüts Zustand besser erkenne, als sie selbst; denn obgleich viele Ehefrauen die Kinder lieb haben, so findet sie Gott doch vielleicht zu schwach, sowohl in der Geburt, als in der Erziehung der Kinder, als auch im Kinderkreuz; vielleicht würde das Kind ihr und ihrem Ehemanne viel Zerstreuungen und Sorgen verursachen, die sie an ihrem Gebet und Gottesdienst hindern, vielleicht würde das Kind viel Betrübnis machen, wenn es Gott nach seinem Rate wieder sterben ließ; darum weil Gott die Stärke und Schwachheit der Menschen besser kennet,