Druckschrift 
Christkatholisches Gesang- u. Andachtsbuch : zum Gebrauche bei der öffentlichen Gottesverehrung in dem (ehemaligen) Bisthum Constanz
Einzelbild herunterladen

469

2. Wenn dort, wo feßzt die Sonne schwebt, Des Richters Thron sich hoch erhebt; Wenn die Posaunen laut erschallen, Anbetend Engel niederfallen;

3. Wenn dann die Welten in den Höh'n Im Glanz den Rich­ter Jesus seh'n; Gefesselt unter sich die Zeiten, Gerechtigkeit um sich verbreiten;

4. Wenn auf die Rechte Fromme geh'n, Zur Linken die Ver­worf'nen steh'n; Wenn aus den Wolken Bliße brechen Und um ihn her die Donner sprechen;

5. Wenn Gräber lebendes Gebein, Und Meere Leichen von sich spei'n; Wenn Berg und Felsen berstend frachen, Und Völker aus dem Schutt erwachen;

6. Wenn Tausende das Haupt erhöh'n, Im Richter ihren Freund zu seh'n; Wenn Millionen sich verfluchen, Verzweifelnd nur Zernichtung suchen;

7. Wenn dann auch mich aus meiner Gruft Die weckende Posaune ruft; Mit welchem Muth wirst du mich sehen, O Rich­ter! dir entgegen gehen?

8. Laß meine Sünden mich bereu'n, O Gott! und dort einst selig sein, Und bei den auserwählten Chören Die Stimme deiner Gnade hören.

b.

1. Furchtbar wird der Tag sich röthen, Kund gethan von dem Propheten, Der die Welt in Staub wird treten.

2. Welch ein Schauern, welch' ein Beben, Wenn herab der Herr wird schweben, Richter über Tod und Leben.

3. Der Posaune folgt zum Throne Aus den Gräbern jede Zone, Wer ein Joch trug, wer die Krone.

4. Die man fah wie Staub verwehen, Staunend zum Gericht erstehen, Wird Natur und Tod sie sehen.

5. Und das Buch steht aufgeschlagen; Jeder liest sich einge­tragen, Der mit Wonne, der mit Klagen.

6. Bliß entstrahlt des Herrn Gesichte, Nichts entzieht sich mehr dem Lichte, Nichts vergeltendem Gerichte.

7. Herr! darf ich zu hoffen wagen? Werd' ich deinen Blick er­tragen, Wo Gerechte selbst noch zagen?

8.

wer kann vor dir bestehen, Laß mich, Herr! nicht unter­gehen, Unverdient laß Heil mich sehen.

51. Beim Begräbniß eines Kindes.

1. Wenn kleine Himmelserben In ihrer Unschuld sterben, So büßt man sie nicht ein; Sie werden nur dort oben Vom Vater aufgehoben, Damit sie unverloren ſei'n.

2. Sie sind ja in der Taufe Zu ihrem Christenlaufe Für Jesum eingeweiht, Und noch bei Gott in Gnaden. Was soll es ihnen schaden, Daß sie die Krone schon erfreut?

3. Der Unschuld Glück verscherzen, Stets kämpfen mit den Schmerzen, Mit so viel Seelennoth; Im Angstgefühl der Sünden Das Sterben schwer empfinden, Dafür bewahrt ein früher Tod.