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Gesangbuch für die Herzogthümer Bremen und Verden zum Gebrauch bei dem öffentlichen Gottesdienste und bei der Privat-Andacht
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von der Berstörung der Stadt Jerusalem.

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Römern alles, und war kein Sieg, Babylon, verbrannt ist, und ist der noch Glück mehr bei den Juden. Tag sonderlich der Unglückstag für Als nun die Römer das Schloß den Tempel gewesen. Von dem inne hatten, gab der Trompeter ersten Tempel und seiner Erbauung mit der Posaune ein 3eichen, und an, welche Salomo vollführt, bis wurden die Juden, welche in dem auf das zweite Jahr des Vespa­Schlosse waren, alle erschlagen. fianus, da der Tempel gänzlich Etliche sind von den Mauern ge ist verwüstet worden, find 1102 worfen worden; etliche find bei Jahre; von der Zeit aber, da man der Nacht eilend in die Stadt ge den andern Tempel wieder an­kommen. Darauf hat sich das gefangen zu bauen, welches ge­Kriegsvolk nunmehr gegen die, schehen ist im zweiten Jahre des welche den Tempel inne hatten, Königs Cyrus, find 569 Jahre vers der Sache ernstlich angenommen. flossen.

Da nun die Juden so geängstigt wurden, und keine Hoffnung der Errettung war, starben viele Tau­sende Hungers; doch blieben die übrigen auf ihrem Bornehmen.

Josephus schreibt, daß sich in den Tagen, als der Tempel verbrannt und verwüstet worden sei, ein er­schrecklicher und greulicher Fall be­geben, welchen man bei den Nach­kommen kaum glauben wird. Es war eine ehrliche Frau, welche reich und von gutem Geschlecht war, jenseit des Jordans, aus Furcht mit den andern gen Jerusalem geflohen. Als nun die Stadt ſo hart bedrängt und mit Hunger geängstigt ward, hat sie ihr kleines kindlein in der Wiege( mit was für Jammer und Schmerzen, ist wohl zu denken) geschlachtet, und Die Juden, welche den obern die eine Hälfte gebraten und ge­Ort der Stadt inne hatten, find gefen; als die Kriegsknechte um­zum Theil in die Stadt gesloben; her gelaufen und Speise gesucht, aber viel mehr sind durch Feuer hat sie ihnen die andere Hälfte und Schwert umgekommen. Die vorgesetzt. Die Kriegsknechte aber Priester haben kläglich gebeten und haben sich vor dem greulichen An­geflehet, daß man ihnen das Le blick entfegt und sich doch des elen­ben fristen möchte; aber da ist den Weibes erbarmt, und die Sache Gnade bei Gott und den Leuten den großen Herren zu Jerusalem ausgewefen. Titus hat, wie He- geoffenbart. gefippus schreibt, geantwortet, ſo ihr Tempel und Gottesdienst da: bin sei, bedürfe man der Priester nicht mehr.

Man sagt, Titus sei Willens ge­wesen, den Tempel zu verschonen um der Religion willen! aber es war aus. Gott schickte es, daß da kein Verschonen war. Denn als man lange und heftig gestritten und gearbeitet hatte, und die Juden we­der mit Drohen, noch Vermabnen zu bewegen gewesen, die festen Der­ter zu übergeben; merkte das Krieg8­volk, daß ihnen an diesem Orte nicht anders, als mit Hunger, welches dann lange dauern würde, oder mit Feuer beizukommen wäre. Daher haben etliche der Kriegsknechte Feuer in den Tempel geworfen; das ist angegangen, und ist also dieselbige Stunde das herrliche, treffliche und föstliche Gebäude, welches damals hoch und weit berühmt war, ver brannt und zu Asche geworden.

Dieser schreckliche Fall hat sie be­wegt, daß sie von dem Tage an be­dacht gewesen, sich zu ergeben, und fie find mit Titus zu einer Unter­Die Verwüstung des Tempels ist redung und Unterhandlung gekom­den zehnten Tag des Monats Au- men. Aber weil sie zu lange ge= gust geschehen, denselbigen Tag, das barrt hatten, Friede zu machen, und der erste Tempel vom Könige zu fie um Friede und Freiheit baten,