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Gesangbuch für die Herzogthümer Bremen und Verden zum Gebrauch bei dem öffentlichen Gottesdienste und bei der Privat-Andacht
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Die Geschichte

den, zuvor in der Stadt viel zu- und nach großer Arbeit ist die dop­fammengelaufenes Volk, welches aus pelte Mauer erobert und einge­Galiläa war vertrieben worden. nommen worden. Um dieselbige Es waren drei Parteien in der Beit ist eine unzählige Menge Stadt, welche die Einigkeit und das Volks Hunger gestorben, wie Jo­Regiment je länger, je mehr zer- sephus schreibt. Um einen kleinen rissen, wie es zu gehen pflegt. Ein Bissen Brod haben sich oft die Theil hatte den Tempel inne, unter besten Freunde gehauen und ge­denen war Eleazar, der Oberste, stochen; die Kinder haben den Ael­ein Sohn Simons; mit dem biel: tern, Bater und Mutter den Kin­ten es die 3eloten, ein böses, heuch- dern oft die Speise aus dem lerisches Volk, das den Bürgern Munde gerissen; da hat weder sehr feind war. Den untern Theil Bruder, noch Schwester sich des der Stadt hatte Johannes inne, andern erbarmt. Ein Scheffel welcher ein Unfang allerlei Un- Korn hat viele Gulden gegolten; glücks war. Den obern Theil hatte etliche haben aus großem Hunger Simon inne mit zwanzigtausend Kuhmist, etliche die Riemen von Idumäern, welche erfordert waren, die Stadt vor der 3eloten Muth­willen und gewaltsamen Vorneh­men zu schüßen. Da man derselben Gäste gern wieder los gewesen wäre, hat man ihrer nicht los werden können.

den Sätteln, das Leder von den Schilden und dergleichen abgenagt und gegessen; etliche haben noch Heu im Munde gehabt und find also tobt gefunden worden; et­liche haben in den heimlichen Ge­mächern gesucht, sich mit Unflath und Mist vor dem Hunger zu er­retten, und ist eine solche große Menge Hungers gestorben, daß Ananias, Eleazar's Sohn, welcher in der Zeit der Belagerung zu Ti­tus geflohen, angezeigt hat, daß hundertundfunfzehntausend todte Körper in der Stadt gefunden und begraben seien. Hegesippus schreibt, daß allein zu einer Pforte viele tau­send Leichen hinausgetragen wor­den, und daß bei sechshunderttausend Menschen während der Belagerung todt geblieben sind.

Die Juden hatten noch die Burg Antonia inne, welche eine starke Festung war; auch hatten sie noch den Tempel, von welchem eine Brücke in die Stadt ging. Diese Festung zu erobern, koftete viel mehr Arbeit, als alle andern Oerter. Titus aber, wiewohl er gewiß war, daß der Hunger endlich die Juden in der Stadt tilgen und theilen würde, ward doch die 3eit zu lang, und bielt an und vermahnte das Kriegs: volk, die Festung mit Gewalt zu stürmen. Wiewohl nun große Ge fahr dabei war, so gerieth doch den

Titus, als er nun merkte, daß die Stadt Jerusalem mit so unzähligem Belke überladen und überhäuft wäre, rüstete und stärkte sich in gro­ßer Eile, die Stadt zu belagern und eine Wagenburg um fie zu schla­gen( wie Christus zuvor gesagt hatte), dieweil das Volk bei einan­der wäre, daß sie der Hunger desto härter drängte und ängstete. Da das die Juden saben, versuchten fie das Neußerste, es zu hindern, zu wehren und ihm zuvorzukommen; aber es war aus mit ihnen, da war kein Glück mehr; unser Herr Gott wollte das Garaus mit ihnen spie­len; darum ging ihnen kein An­schlag, noch Rath von Statten, da war lauter Uneinigkeit. Und ist in dieser Seit in der Stadt ein Aufruhr entstanden, daß eine große Menge Volk bei dem Tempel er­schlagen ward.

Die Stadt Jerusalem war sehr fest an dem Orte, da man zu der Stadt kommen Fonnte, fie hatte drei Mauern; darum rückte das rö­mische Kriegsvolk mit ganzer Macht hinan, um die Stadt zu stürmen,