Erinnerung und Trost
auch nicht scheel sehen, wenn du Andern das Haus voll Kinder gibst, sondern desto mehr Liebe, Gnade und Barmherzigkeit an armen und verlassenen Kindern erweisen, dieselben kleiden, versorgen, pflegen. Nun, Herr, deine Güte sey über uns, wie wir auf dich hoffen; erfreue mich, tröste mich, hilf mir, gib mir Kinder, wenn es dir wohlgefällt, aber nicht im Zorn, nicht zu meiner Strafe, nicht zu meiner Schande; ist mir's nüglich, so gewähre mir nach deiner Barmherzigkeit meine Bitte, ist's aber dein Wohlgefallen nicht, so will ich auch dir kein Kind abzwingen, ja ich will wider deinen gnädigen Willen Nichts, und auch keine Kinder haben. Herr, ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet, ach! schicke es, wie es mir selig und dir gefällig ist. Gib, daß ich meine Seele in Geduld fasse, bis du mir deine Hülfe erzeigen wirst. Ich bin vergnügt in meinem Hoffen, denn hilft Gott gleich nicht, wie ich will, so hat er schon den Schluß getroffen, er weiß am besten Zeit und Ziel; ich harr' auf ihn, denn so betrügt die Hoffnung nicht, ich bin vergnügt. Ich bin vergnügt, wird mir nur geben der allerhöchste Wundergott ein fröbliches Herz, gesundes Leben und was sonst meiner Seele noth; das Uebrige, wie er es fügt, befehl' ich ihm, ich bin vergnügt. Amen.
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Gesang.
Mel. Alle Menschen müssen sterben.
1. Uch Herr! was willst du mir geben, Weil ich ohne Kinder bin? Meine Zeit und auch mein Leben Geht in vielem Kummer hin; Andre muß ich fröhlich sehen, und mit Kindern einhergehen, Aber ich geh' ganz allein, Und muß stets bekümmert seyn.
2. Nichts erfreut mich mehr im Herzen, Als ein zartes Kind ze seyn, Mit ihm allezeit zu scherzen, Mit ihm hin und her zu geh'n, Dieses pflegt mich zu ergößen, Und in tausend Freud' zu sehen; Doch die Freude hab' ich nicht, Weil's an Kindern mir gebricht.
3. Warum thust du an mir minder, Als an Andern, lieber Gott? Andre haben viele Kinder, Die kaum haben fäglich Brod. Du gibst mir sonst großen Segen, Aber, ach mein Gott! hingegen Gibst du mir nicht diese Gab', Die ich oft gebeten hab'.
4. Ach mein Gott! ich will nicht fragen, Thue nur, was dir gefällt; Ich will dieses gerne tragen, Alles sey dir heimgestellt. Ach, du weißt ja mein Begehren; Willst du mir's, mein Gott, gewähren, So geschehe, Herr, dein Will'; Deinem Willen halt ich still.


