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Johann Friedrich Starck's ... tägliches Handbuch in guten und bösen Tagen : enthaltend Aufmunterungen, Gebete und Lieder zum Gebrauche gesunder, betrübter, kranker und sterbender Christen ; mit der Lebensbeschreibung des sel. Verfassers / von M. Johann Jakob Stark ...
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Erinnerung und Trost

frommen Kindern Gutes thun, sie kleiden, in die Schule halten, zu ihrer Erziehung helfen, welche Kinder dann solche Eheleute am jüngsten Tage als Bater und Mutter preisen, und auch vor Gott rühmen werden: Diese haben mich gekleidet, gespeiset und getränket; Matth. 25.

11) Gott gibt aus Liebe und Gnade frommen Eheleuten zu­weilen keine Kinder, auch darum, weil er siehet, daß inskünf­tige schreckliche Landplagen und Strafen über eine Stadt und Land einbrechen werden. Wenn er nun die Frommen vor dem Unglück wegrafft, und seine lieben Kinder, ehe das Sturmwetter der Trübsal kommt, schlafen legt, wie er solches dem Hiskia verheißen und an dem heiligen Augustino erwiesen, welches aller­dings eine große Gnade Gottes ist: so ist's ja eine Wohlthat, wenn Gott keine Kinder gibt, damit sie den Jammer, der über die Welt kommen soll, wie in der Sündfluth geschah, nicht erle­ben und erfahren.

12) Endlich mögen Eheleute auch wohl bedenken, ob sie etwa die Kinder nur als eine Naturgabe ansehen, oder ob sie dieselben als eine Gabe Gottes, wie denn Kinder in der That sind, hal­ten. Meinen sie, es sey eine Naturgabe, welche sie selbsten befördern könnten, so fehlen und irren sie, und will ihnen, durch Vorenthaltung des Ehesegens, Gott zeigen, daß es nicht bei ihnen stehe, sondern daß es eine Gabe sey, darum will er gebe­ten seyn. Wenn hier christliche Eheleute mir wollten entgegen­seßen, daß Hurer und Huren wohl nicht darum bitten und doch Kinder zeugen und krigen, so antworte ich: Bei denen lässet Gott der Natur ihren Lauf, zur Offenbarung ihrer Schande, weil sie nicht zusammenkommen, Gott zu Ehren Kinder zu zeugen, sondern ihre böse Brunst und Lust abzukühlen. So sollen es also hier gottselige Eheleute machen, wie dorten Isaac, von dem es heißet: Und Isaac bat den Herrn für sein Weib, denn sie war unfruchtbar; also erkannte Isaac, daß Kinder nicht allezeit eine Naturgabe, sondern eine Gnadengabe Gottes wären, darum auch gleich dabei stehet: Und der Herr ließ sich erbitten, und Rebecca, sein Weib, ward schwanger, 1. B. Mof. 25, V. 21. Dieses Alles sollen christliche Eheleute sich fleißig vorstellen und sich damit gegen alle Ungeduld und Gemüthsunruhe bewahren, und bedenken: ist ihr Haus einsam und ohne Kinder, daß sie nach ihrem seligen Absterben in der Herrlichkeit, in der Gesellschaft vieler tausend heiligen Engel seyn werden, mit welchen sie sich in Ewigkeit vor dem Throne des dreieinigen Gottes erfreuen sollen.