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Johann Friedrich Starck's ... tägliches Handbuch in guten und bösen Tagen : enthaltend Aufmunterungen, Gebete und Lieder zum Gebrauche gesunder, betrübter, kranker und sterbender Christen ; mit der Lebensbeschreibung des sel. Verfassers / von M. Johann Jakob Stark ...
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Erinnerung und Trost

nicht zornig über sie sey; denn wer unter Gottes Zorn und Ungnade stehet, der muß auch gewiß der himmlischen Gaben entbehren.

4) Es sollen unfruchtbare Eheleute bedenken, daß Gott auch hierin ihnen eine besondere Gnade erweise, und ihren Leibes­und Gemüthszustand besser erkenne, als sie selbsten. Denn ob­gleich viele Ehefrauen die Kinder lieb haben, so findet sie Gott doch vielleicht zu schwach, sowohl in der Geburt, als in der Erziehung der Kinder, wie auch im Kinderkreuz; vielleicht würde das Kind der Ehefrau und ihrem Ehemanne viel Zerstreuungen und Sorgen verursachen, die sie an ihrem Geber und Gottesdienst verhindern; ja vielleicht würde das Kind zu viel Betrübniß ma­chen, wenn es Gott nach seinem Rathe wieder sterben ließe; darum, weil Gott die Stärke und Schwachheit der Menschen besser fennt, als sie selbsten, so erweiset er ihnen darin eine besondere Gnade, welche sie doch aus Unverstand für feine Gnade halten.

5) Sonderlich aber sollen sich Eheleute ja wohl hüten, daß sie keine Kinder von Gott mit Murren und Grämen und mit unge­duldigem Flehen erzwingen wollen, denn sonst gibt ihnen Gott im Zorn Kinder. Entweder muß die murrende Mutter Leben oder Gesundheit darüber verlieren, oder wenn das nicht geſchieht, so geräth ein solches, im Zorn gegebenes Kind so übel, daß es den Eltern tausend Schrecken; Jammer, Verdruß und Herzeleid anrichtet, und sie ihr Leben lang in Angst, Betrübniß und Trau­rigkeit feget, welches Früchte ihrer unverständigen Bitte sind. Wie mancher mit Unverstand von Gott erbetene Sohn ist seines Vaters Grab und seiner Mutter Geißel geworden!

6) Es sollen hiebei gottselige Ehefrauen den Spruch Pauli 1. Tim. 2, 2. 15 nicht mißbrauchen, wenn es heißet: Das Weib wird selig werden durch Kinderzeugen, so sie bleibet im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung, sammt der Zucht. Denn in dem Spruch saget Paulus nicht, daß die Weiber sollen durch Kin­derzeugen selig werden. Denn wir werden durch das Verdienst Jesu Christi und um seines vergossenen Blutes willen vor Gott gerecht und selig, Röm. 3, V. 28. Röm. 5, V. 1, und nicht durch Kindergebären; denn wenn das wahr wäre, so müßte ja keine Jungfrau selig werden können, welches wider Gott und sein hei liges Wort ist; sondern Paulus führt diesen Spruch zum Trost der Ehefrauen an, nämlich ob ihnen Gott schon große Schmerzen in der Geburt aufgeleget, darum weil sich das Weib im Para­