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IX 1
Se wie man den gregorianischen Gesang verweltlichen, ihm fremdartige, seiner Natur widerstrebende Töne beimischen wollte, so hat man auch schon im vorigen Jahrhundert angefangen, der Orgel, durch allerlei mechanische Apparate, durch Anwachsen und Abnehmen des Tones u. s. w., einen weltlichen Beigeschmack beizubringen. Es hilft aber alles nichts; die Natur des Orgeltones widerstrebt diesem Ansinnen. Das An- und Abschwellen geschieht nicht geistig, sondern mechanisch und deutlich hört sich der starr und unbiegsame Orgelton auch im geschlossenen Raume heraus. Und gerade dadurch, dass die Orgel den weltlichen Leidenschaften widerstrebt, ist sie für würdig befunden worden, die heiligen Räume, da Gottes Majestät thront, mit Wohlklang zu füllen. Dagegen eignet sich der gleichmässig fortklingende Orgelton- ein Sinnbild des Dogmas höheren, gebundenen, zum mehrstimmigen Fingerspiel, wo jede Stimme mit gleicher Kraft hervortreten muss.
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Hierin überragt sie alle übrigen Instrumente. Der höhere, der strenge Styl ist in der Orgel zu Hause. Und sogar dem Laien thut diese wahre, höhere Spielart wohl; sie stört seine Andacht nicht und er ahnt in diesen geheimnissvollen Verschlingungen der Stimmen ein höheres, dem heiligen Orte angemessenes Erklingen. Ein leichtfertiges unkirchliches Orgelspiel lässt die Gemeinde zu keiner frommen Sammlung kommen; die gemeinen, weltlichen und bekannten Themen erinnern stets nach Aussen an die Vergnügungsplätze. Man irrt gar sehr wenn man glaubt, das Volk höre diess gerne, oder, für das Volk sei Alles gut, es verstehe es ja nicht. Das Volk, wo es sich zu einem edlen Zweck ver


