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lange oder unkirchliche Vor- und Zwichenspiele zu zerreissen. Desshalb sind in vorliegender Vesper alle Verrichtungen, sogar die Stillgebete des Officiators, genau vorgeschrieben, damit der Organist das rechte Mass, zwischen zu langen und zu kurzen Vor- und Zwischenspielen, einhalten kann und der geistige Fortgang der heiligen Handlung nicht auf gehalten wird. Es wäre freilich besser, wenn keine Zwischen spiele nöthig und Alles gesungen würde. Das beste Zwischen spiel kann den ausgelassenen Vers nicht ersetzen; die meisten Zwischenspiele aber zerstören geradezu den Sinn der heiligen Worte. Tausend und tausend Vespern sind und werden gesungen ohne Beimischung eines Orgeltones: denn die eigentliche Kirchenmusik ist der Gesang, der das heilige Wort verklärt wieder giebt. Das Instrumentale hat die Kirche nur zugelassen, zur Erleichterung und Verschönerung des Gesanges und überhaupt zur Erhebung der gottesdienstlichen Feier; und hat sich vor Allem die Orgel als Kirchen- Instrument auserwählt. So unvollkommen die ersten Orgeln waren, so erkannte die Kirche doch gleich den wahren Werth dieses Instrumentes, führte sie in die Kirche ein, nahm sie unter ihren Schutz und bildete sie so vollkommen aus, dass wir heute dieses erhabene Instrument mit Aug und Ohr bewundern müssen. Die Erfindung der Orgel fällt nicht viel späteals die Entstehung des gregorianischen Gesanges. Ein gleicher Geist hat beide erschaffen und für die Kirche erschaffen: denn die Wesenheit ihrer Töne wiederstreben allem Weltlichen; darum hat die Kirche auch beide Arten als ihr Eigenthum erklärt und wacht mit treuer Sorgfalt über derca Reinbeit.


