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Étude sur le chant de Vépres
Entstehung
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VI

Ton Re ist schon vom heiligen Bernard als allgemeiner Chor­ton genannt worden. Dies ist auch die Ursache warum man der Stimmgabel- eine spätere Erfindung- den Ton La ge­geben hat.

Der Officiator kann einen ihm zusagenden Ton nehmen wel­ehen er will; Sänger und Organist aber, haben in gleicher Tonhöhe zu antworten. Im Choralgesange herrscht keine be­stimmte Tonhöhe. Der verständige Leiter wird sehen, ob er mehr hohe, oder tiefe Stimmen in seinem Chore hat und darnach die richtige Tonhöhe wählen. Eine allen zusagende mittlere Tonhöhe ist der Würde des Choralgesanges am an­gemessensten. Alles hohe Schreien, tiefe Brummen, Eilen und Schleppen entehren die Würde des Choralgesanges und bleiben gänzlich ausgeschlossen. Zur Freude kann etwas hö­her, zur Trauer etwas tiefer angestimmt werden. Zur hohen eier wird langsamer und bei den gewöhnlichen Andachten etwas geschwinder gesungen.

Jeder Sänger richte sich genau nach den Vor- und Mit- Sängern, damit der Melodienfluss nicht gestört und die Worte gleichmässig ausgesprochen und verstanden werden. Ein guter Gesangchor gleicht einem Strome, der da ruhig und majestätisch dahin fliesst und in welchem die einzelnen Gewässer nicht mehr bemerkbar sind. Zu einem guten Ge­sange wird auch eine gute Aussprache der Wörter erfordert: denn eine richtige und deutliche Aussprache macht auch den Gesangton schöner.

Der Sprach- Ausdruck aber darf keineswegs mit der soge­nannten Prosodie- Regel verwechselt werden, von welcher er oft ganz verchieden ist. Der Sprach- Ausdruck und nicht die