12 1. Vom Begriffe und Dasein des Fegfeuers.
lich geht aus der Stelle des heiligen Paulus ( 1. Kor. 15, 29.), wo er schreibt: ,, Was thäten sonst die, welche um der Todten willen sich taufen lassen*), wenn es gewiß ist, daß die Todten nicht auferstehen? Warum lassen sie sich für dieselben taufen?" nach mehreren Schriftaußlegern hervor, daß die Juden damals noch den Gebrauch hatten, sich für die Todten zu waschen oder zu reinigen. Uebrigens glauben die Juden jetzt noch an einen Läuterungszustand nach diesem Leben und beten für die Abgeschiedenen.
Das Dasein des Fegfeuers wird aus dem neuen Testament bewiesen.
Der göttliche Heiland sagt:( Matth. 5. 25-26.) Vereinige dich mit deinem Widersacher ohne Zögern, so lange du mit ihm auf dem Wege bist, damit dich nicht der Widersacher dem Richter übergebe, und der Richter dich dem Diener übergebe, und du in den Kerker geworfen werdest. Wahrlich, ich sage dir, du wirst von da nicht
*) Allioli nimmt hier mit mehreren andern Schriftauslegern die Worte: sich taufen lassen bildlich für leiden, wie sie auch der göttliche Heiland( Luk. 12, 50.) genommen hat und fügt hinzu:„ Nach dieser Auffassung spricht diese Stelle den Glauben der ersten Christen aus, daß man den Verstorbenen durch Werke der Buße zu Hülfe kommen könne." Es ist also diese Stelle des heil. Paulus immerhin ein Beweis für den damaligen Glauben an ein Fegfeuer, sei es, daß man sie auf die Juden oder auf die Christen beziehe.


