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Die Wege des Heils : ein vollständiges Lehr- und Gebetbuch / von Karl Heinrich Seibt. Neu bearb. von Joseph Fleißner, Stadtpfarrer am Bürgerspitale in Salzburg
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Von den Eigenschaften des Gebetes.

Die vierte Eigenschaft des Gebetes ist die Andacht. Diese besteht in der Richtung unserer ganzen Seele und Aufmerksamkeit auf Gott; in der Uebereinstimmung unserer Empfindungen und Vorstellungen mit den Worten des Ge­betes. Vorsätzliche und freiwillige Zerstreuung in unsern Gedanken und Lauigkeit des Herzens sind dieser Andacht zuwider, und rühren gemeiniglich daher, weil man, ehe man zu beten anfängt, seinen Geist nicht gehörig sammelt, von allen irdischen Dingen nicht zurückzieht, und nicht ganz mit der Vorstellung Gottes zu erfüllen sich bemühet. Dieß fällt freilich jenen Menschen, die sich bloß mit den Lüsten ihres Körpers und mit den Ergötlichkeiten der Welt zu beschäf­tigen gewohnt sind, gar schwer, wo nicht unmöglich. Die meisten derselben finden eben darum auch keine Neigung zum Gebet, und die andern beten wenigstens ohne Wirkung;­doch das Hersagen einiger Gebetformeln mit einem an der Welt klebenden Geiste und Herzen verdient den Namen eines Gebetes gar nicht mehr.

Die fünfte Eigenschaft des Gebetes ist das Vertrauen auf Gott Dieß Vertrauen besteht in einer lebhaften und festen Ueberzeugung, daß uns Gott das gewähren werde, um was wir ihn bitten, wofern es zu unserm wahren Besten gereichet, und unser Gebet so beschaffen ist, wie es sein muß, Wer ohne ein um der Erhörung gewürdigt zu werden solches Vertrauen betet, dem fehlt es an derjenigen kind­lichen Zuversicht, welche wir Gott als unserm gütigsten Vater schuldig sind, und um derer willen er uns vorzüglich zu erhören, durch seinen göttlichen Sohn, verheißen hat.

Die sechste Eigenschaft des Gebetes ist die Beharrlichkeit. Es ist eine so wichtige Heilswahrheit, daß wir im Gebete verharren sollen, daß Jesus Christus ausdrücklich gesagt hat, ( Luk. 18, 1.) man müsse anhaltend beten und niemals müde werden. Wir mögen also Gott bitten, um was wir wollen, so müssen wir niemals von unserm Gebete ablassen, wenn er auch zu erhören bis an's Ende unseres Lebens verzöge. Diese Verzögerung Gottes hat entweder zur Absicht, die Standhaftigkeit unseres Glaubens auf die Probe zu stellen, oder uns zu erkennen zu geben, daß wir noch nicht eifrig, demüthig und anhaltend genug gebetet haben. Beides muß antreiben, unser Flehen vielmehr fortzusetzen und zu ver­