Die Geschichte des Leidens
Dritte Abtheilung.
8. Auslieferung Jesu an das römische Gericht.
Und der ganze Haufen stand auf, und banden Jesum, führeten ihn von Caiphas vor das Richthaus, und überantworteten ihn dem Landpfleger Pontio Pilato. Und es war noch frühe.
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9. Judä Verzweiflung und Zeugniß von der Unschuld Jesu.
Da das sahe Judas, der ihn verrathen hatte, daß er verdammet ward zum Tode, gereuete es ihn, und brachte herwieder die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Aeltesten, und sprach: Ich habe übel gethan, daß ich unschuldig Blut verrathen habe. Sie sprachen: Was gehet uns das an! Da siehe du zu. Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hob sich davon, und ging hin, und erhängte sich selbst, und ist mitten entzwei geborsten, und sein Eingeweide ausgeschüttet. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge, und sprachen: Es taugt nicht, daß wir sie in den Gotteskasten legen, denn es ist Blutgeld. Sie hielten aber einen Rath, und kauften eines Töpfers Acker darum, zum Begräbniß der Pilger. Und es ist kund worden Allen, die zu Jerusalem wohnen, also, daß derselbige Acker genennet wird auf ihre Sprache: Akeldama, das ist ein Blutacker, bis auf den heutigen Tag. Da ist erfüllet, das gesagt ist durch den Propheten Jeremias, da er spricht: Sie haben genommen dreißig Silberlinge, damit bezahlet ward der Verkaufte, welchen sie kauften von den Kindern Israel, und haben sie gegeben um einen Töpfersacker, als mir der Herr befohlen hat.
10. Anklage und Verhör Jesu vor Pilato.
Die Juden aber gingen nicht in das Richthaus, auf daß sie nicht unrein würden, sondern die Ostern essen möchten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus, und sprach: Was bringet ihr für eine Klage wider diesen Menschen? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Uebelthäter, wir hätten dir ihn nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmet ihr ihn hin, und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen Niemand tödten. Auf daß erfüllet würde das Wort Jesu, welches er jagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde.
Da fingen an die Hohenpriester und die Neltesten ihn hart zu verklagen, und sprachen: Diesen finden wir, daß er das Volk abwendet, und verbeut den Schoß dem Kaiser zu geben, und spricht: Er sey Christus, ein König. Da ging Pilatus wieder hinein in das Richthaus, rief Je= sum, fragte ihn und sprach: Bist du der Juden König? Jesus stand vor ihm und antwortete: Redest du das von dir selbst, oder haben es dir Andere von mir gesagt? Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet; was hast du gethan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darob kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde. Aber nun ist mein Reich nicht von dannen. Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagest es, ich bin ein König; ich bin dazu geboren und in die Welt kommen, daß ich die Wahrheit zeugen soll; wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und da er das gesaget, ging er wieder


