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Adam: Das Weib, das du mir zugefellet hast, gab mir von dem Baum, und ich aß. Da sprach Gott der Herr zum Weibe: Warum hast du das gethan? Das Weib sprach: Die Schlange betrog mich also, daß ich aß. Da sprach Gott der Herr zu der Schlange: Weil du solches gethan haft, seieft du verflucht vor allem Vieh, und vor allen Thieren auf dem Selde. Auf deinem Bauch sollst du gehen und Erde effen dein Lebelang. Und ich will Seindschaft setzen zwifchen dir und dem Weibe, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Derselbe foll dir den Kopf zertreten; und du wirft ihn in die Serse stechen.
Es sind drei vornehme Kapitel in der Bibel, die ein Jeder fleißig betrachten soll: das 3. im 1. Buch Moses, das 3. im Evangelium Johannis, das 3. in der Epistel Pauli an die Römer. Denn diese drei zeigen deutlich an zwei Dinge: erstlich, woher die Sünde und alles Unglück gekommen sei, darnach, woher die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, und aller Segen zu erwarten sei. Das Böse kommt vom Teufel, das Gute von Jesu Christo. Die alten Wittenberger baten den Dr. Luther, er sollte ihnen doch vor seinem Tode das 3. Kapitel im ersten Buche Mosis erklären.
Gott hat den Menschen nach Seinem Ebenbilde erschaffen und zum Herrn aller Dinge gesetzt. Für alle Wohlthaten fordert Er nur ein dankbares Herz und gottlobenden Mund; von dem einzigen Baum int Paradiese soll der Mensch nicht effen, wobei Gott den Gehorsam Adams erkennen will. Der Teufel fertigt sein Reich und Wesen nicht plötzlich, sondern allmählich, nicht offen, sondern verdeckt. Das ist noch immer die Geschichte der Sünde. Das Wort: ja, sollte Gott gesagt haben: ihr sollt nicht effen von allerlei Bäumen im Garten? ist der ebenso fruchtbare, als furchtbare Same der Sünde Adams und der ganzen Welt. Da ist Lüge des Teufels in dem Worte: ihr werdet mit nichten des Todes sterben; da ist das Gift der Hoffart in dem Worte: ihr werdet sein wie Gott; da ist böse Lust in dem Ansehen des Baumes, da ist die wirkliche That der Sünde, da ist Schande, die Adam und Eva fühlen, da ist Thorheit, daß sie sich vor Gott verstecken wollen, da ist Leugnen der Schuld, da ist Entschuldigung, daß Adam die Schuld auf das Weib wirft, und das Weib auf die Schlange. Da ist der Fluch des heiligen Gottes mit einem Wort: hier ist der Sündenfall und Sündenjammer der ganzen Welt. Hier ist auch das erste Evangelium, das hell und klar von Christi Verdienst berichtet. Derselbige, der der Schlange den Kopf zertritt, bist Du, mein liebster Herr Jesu! Er nennt sich einen Weibessamen, denn Er wird ein natürlicher Mensch werden und alle menschlichen Eigenschaften ohne Sünde an sich tragen. Aus Kraft und Wirfung des heiligen Geistes wird Er aus einer Jungfrau geboren werden. Wie durch ein Weib die Sünde und alles Unglück in die Welt gebracht ist, so soll der Sündentilger von einem Weibe geboren wer
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