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8. Januar. Morgen.
Pf. 139, 7. Wo soll ich hingehen vor deinem Geist? und wo soll ich hinfliehen vor deinem Angesicht?
Herr Gott, der du alles siehest, was im Himmel und auf Erden ist, schreibe mir deine Allgegenwart tief in mein Herz, so werde ich nicht fündigen. Ein Unterthan scheuet sich in Gegenwart seines Königes, ein Kind in Gegenwart seines Vaters, Böses zu thun, welches doch nur sterbliche Menschen sind, wie vielmehr sollte ich mich scheuen vor dir. In deiner Gegenwart will ich aus und eingehen; in deiner Gegenwart will ich reden, in deiner Gegenwart will ich arbeiten, und was ich mir nicht getraue in deiner Gegenwart auszuüben, das will ich meiden. Will Satan mir die Einsamkeit zur Sündengelegenheit machen, so laß mich gedenken: wenn die Kammer verriegelt, das Haus verschlossen, die Fenster verdecket sind, so siehet doch ein allsehendes Auge in die verborgensten Winkel. Deinen Augen, die wie Feuerflammen sind, kann ich nicht entfliehen auf dem Felde, in den Wäldern, in der Fremde; denn auch da bist du zugegen, du hörest alles und siehest alles, bewahre mich auch vor heimlichen Sünden. Es soll aber auch dieses mein Trost sein, daß du siehest in mein Kämmerlein, wenn ich bete; daß du weißest die Ursachen meiner Traurigkeit und meines Weinens, und wirst zu rechter Zeit Rath, Trost und Hilfe schaffen. Also will ich den Tag in deiner Gegenwart anfangen und schließen. Laß mich dieselbe auch empfinden durch innerlichen Trost, durch Abwendung der Gefahr von meinem Leib und meiner Seele, durch Mittheilung deines Segens und beständige Erhaltung in deiner Gnade.
O Auge, das nicht Trug und Falschheit leidet, Wohl dem, der auch verborgne Sünden meidet, Der los und frei von Heuchelei,
Vor dir und Menschen redlich handelt
Und unter deiner Aufsicht wandelt. Amen.


