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Paul Gerhardts Geistliche Lieber.
Fehler, in die Opit verfallen war, zu vermeiden. Von der breiten, betrachtenden, lehrhaften Weise dieses Dichters findet sich in seinen Liedern keine Spur. Wohl sind viele seiner Lieder ziemlich umfangreich. Doch das hat seinen Grund in der außerordentlichen Kunst, mit welcher er sich ergiebige Stoffe zu wählen und mit welcher er die vielen, schönen Gedanken, die sie darboten, dichterisch zu entwickeln verstand, was er meistens in der schönen einfachen Weise des Volkslieds that, weshalb denn auch gar manches seiner längern Lieder zum wahren Volkslied geworden ist.
Die Quellen, aus denen Gerhardt schöpfte, sind, wie jedem Sachkundigen, der seine Lieder etwas näher betrachtet, leicht in die Augen fallen wird, die Psalmen, die Lieber Luthers und die alten lateinischen Kirchenliederdichter. Bisweilen ahmt er wohl auch die Mystiker oder ein spanisches Lied oder die bibelreimenden Meistersänger( so z. B. in dem eigenthümlich schönen Passionsliede: ,, O Mensch beweine deine Sünd"") nach.
überaus große Mannigfaltigkeit bietet der Inhalt der Gerhardtschen Lieder dar. Es giebt fast kein Fest der christlichen Kirche, auf welches Gerhardt nicht ein oder ein paar schöne Lieder gesungen hat. Die Tages- und Jahreszeiten haben ihn zu Morgen- und Abendliedern und zu dem herrlichen Sommerlied: ,, Geh' aus mein Herz und suche Freud" begeistert, in welchem lettern man, wie Gerok gar schön sagt, gleichsam das reifende Ährenfeld im Winde wogen sieht, und die Lerche in den blauen Lüften jubiliren hört". Das menschliche Leben sowohl des Volkes als des Einzelnen hat seiner Harfe gar liebliche Klänge entlockt. Glück und Wehe, Kreuz und Leid hat in ihm seinen Sänger gefunden, und selbst die letzten Dinge sind nicht vergessen worden.
Daß ein so reich begabter, in so lieblichen Tönen singender und in so volksthümlichem Gewande auftretender Sänger viele Nachahmer finden würde, ließ sich wohl leicht voraussehen Und so ist's auch geschehen. Die besten geistlichen Sänger der Mit- und Nachwelt, die in deutscher Sprache dichteten, sind auf Gerhardts Bahnen gewandelt und haben ihre Harfen nach der seinigen zu stimmen gesucht. Zu seiner Zeit suchten ein Joh. Franck, ein Rist, ein Neumark, ein J. Neander, ein Rodigast, ein Dach, ein Rinckart, ein Tscherning, ein Thilo, ein Gesenius, ein Keymann, ein Sacer, ein Mich. Frant, ein Albinus, ein Anton Ulrich von Braunschweig, ein Mich. Schirmer in seinen Tönen zu singen. Im achtzehnten Jahrhundert aber sahen wir Dichter wie Sal. Frant, Kasp. Neumann, Freylinghausen, Rambach, Benj. Schmolcke, Petersen, Terstegen, J. A. Rothe, v. Bogatki, P. F. Hiller auf seinen Bahnen wandeln. Endlich ist es in unfrem Jahrhundert dem sangesreichen Fr. Rückert wenigstens in einem Liede( ,, Dein König kommt in


