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Paul Gerhardt's geistliche Lieder getreu nach den besten Ausgaben abgedruckt / hrsg. von Fr. v. Schmidt
Entstehung
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Paul Gerhardts Geistliche Lieder.

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zu der Zeit der höchsten Noth und des tiefsten Jammers, in der Ger­hardt lebte, wohl in den Herzen aller besser Gesinnten lebendig gewor den. Er aber fand den rechten poetischen Ausdruck für dieses heilige Gefühl, und sprach ihn aus in einer Weise, daß jeder erkennen mußte: ja, ja, das ist's, was ich selbst im tiefsten Herzen gefühlt und empfun­den habe, aber nicht in Worte zu kleiden verstand. Daraus erklärt sich denn auch, daß seine Lieber, obgleich sie meistentheils nur die Gefühle Denn der einzelnen Seele barstellten, doch so volksthümlich wurden. Gerhardt wußte die Gefühle bes Einzelnen so darzustellen, wie sie sich in der Brust jedes rechten Christen regen müssen. Die Gefühle und Empfindungen, die er befingt, dürfen und sollen keinem fremd sein, der den Namen eines Christen verdienen will. Er giebt, wie Gervinus von ihm sagt, der Besonderheit den Werth der Allgemeinheit.

Dieses feste Vertrauen auf Gott erfüllte ihn auch mit der steten Heiterkeit, die uns aus den meisten seiner Lieder so anmuthend ent­gegentritt. Von der Frömmelei und Weltverachtung, die zu seiner Zeit gang und gäbe war, finden wir in Gerhardts Dichtungen keine Spur. Er steht eben im Glauben, und sein Gewissen giebt ihm Zeugnis, daß er auf dem Liebespfade wandelt, auf dem Christus den Gläubigen vor­angeschritten ist, und auf dem sie ihm nachfolgen sollen.

Deshalb hat er nicht nöthig vor seinem Gott zu zittern und zu zagen, sondern kann frisch und fröhlich vor ihn hintreten. Das thut er denn auch, wie seine aus dem fröhlichsten Herzen geflossenen Lieder: Wach' auf mein Herz und finge",, Geh' aus mein Herz und suche Freud""," Fröhlich soll mein Herze springen" und viele andere zur Ge­nige beweisen. Diese Heiterkeit mag zu der allgemeinen Verbreitung, die seine Lieder fanden, nicht wenig beigetragen haben. Von ihm konnte das Volk lernen, daß Heiterkeit der Grundton ist, der in einem wahr­haft christlichen Herzen herrschen soll.

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Wenn wir den Blick auf die Form der Gerhardtschen Lieder rich­ten, so werden wir gestehen müssen, daß er in Sprache, Ausdruck und Rhythmus nach der höchsten Vollendung strebte. Das von ihm hinter­lassene Handeremplar seiner Lieder, das zahlreiche, auch das kleinste nicht unbeachtet laffende Verbesserungen enthält, legt davon ein un­zweideutiges Zeugnis ab. Er wandelt in dieser Beziehung ganz in den Bahnen, die der große Schlesier Martin Opit eingeschlagen hatte, und suchte sich auf der Höhe künstlerischer Vollendung zu halten, zu welcher dieser die deutsche Dichtkunst erhoben hatte. Seine Sprechweise hat durchaus nichts Gesuchtes und Geschraubtes, er ist auch darin, wie in seinem Vortrag, klar, einfach, gefällig und durchaus verständlich und volksthümlich. In Bezug auf Inhalt und Darstellung aber verstand er es eben so gut wie sein großer Zeitgenosse Paul Flemming, die