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Paul Gerhardts Geistliche Lieder.
Daher sprach und fang er im Namen, ja aus dem Herzen dieser Kirche heraus. Zu Gerhardts Zeiten war diese Hoffnung längst verschwunden. Statt einer großen evangelischen Kirche, die der römischen als ebenbürtige Schwester Achtung gebietend gegenübergestanden hätte, gab es eine ziemliche Anzahl von protestantischen Secten, die einander auf das bitterste befehdeten, und sich gar manchmal der eigenen Schwäche in schmerzlicher Wehmuth bewußt wurden. Die sogenannte lutherische Kirche, der Gerhardt angehörte, hing, wie ja schon unser Überblick seines Lebens gezeigt haben wird, fast ganz von der Willkür der Fürsten und ihrer Diener, der Juristen, ab. Verlor doch unser Dichter feine Stelle, weil er sich den Unionsbestrebungen seines Landesherrn nicht dienstbar erweisen wollte! Der Theolog mußte thun, was ihm der hochweise und fast allmächtige Jurist befahl. Wie hätte da ein freudiges Gemeindebewußtsein gedeihen, wie hätte da ein Dichter aus dem fiegesfreudigen Bewußtsein seiner Kirche, die noch dazu gerade damals in die kleinlichsten dogmatischen Streitigkeiten verwickelt war, heraus fingen können. Gerhardt schlug daher den einzig richtigen, ja den einzig möglichen Weg ein, indem er in seinen Liedern das Zeugnis der einzelnen gläubigen Seele erklingen ließ, ja das Lied fast ganz in die Bahnen der subjectiven Anschauung hinüberführte. Wohl bricht auch in seinen Liedern das Gemeindebewußtsein hie und da noch kräftig durch, doch im Ganzen sind es die Gefühle, Empfindungen und Gedanken des einzelnen Christen, die er in einer für jeden verständlichen und ansprechenden Weise zur Anschauung bringt. Dabei aber beſeelt ihn, den Einzelnen, ein so tilhner und herrlicher Christenmuth, wie er den protestantischen Gemeinden seiner Zeit nur immer zu wünschen gewesen wäre. Gerhardt, der Gottespilger mit dem Stabe in der Hand, ist getroft bei allen Leiden und Trübsalen und bei allen Ges fahren, mit denen er so vielfach zn kämpfen hat; ja er ist vielleicht noch mehr zu bewundern als Luther, der in dem von ihm geführten Streite so viele tapfre Kampfgenossen hatte.
Dabei herrscht in Gerhardts Liedern dasselbe unerschütterliche Gottvertrauen, das uns in den Gesängen Luthers so wunderbar anspricht, nur fließt es bei Gerhardt aus anderer Quelle. Der Glaube an die Rechtfertigung aus Gottes Gnade allein war es, der Luther mit diesem Vertrauen erfüllte. Unfrem Gerhardt aber gab dieses Vertrauen der Glaube an Gottes Liebe, an die Liebe, die den Menschen umfangen hatte, ehe der Welt Grund gelegt ward; die ihn von seiner Geburt an durch das ganze Leben, durch alle Leiden und Trübsale desselben begleitet; alle Freuden mit ihm theilt; ihn in allen Gefahren beschützt; ihm treu bleibt bis zum Tode, ja bis über das Grab hinaus und über ihm walten wird bis in alle Ewigkeit. Der Glaube an diese Liebe war


