Paul Gerhardts Geistliche Lieder.
5
mit seinen von Gott empfangenen werthen Gaben um unsre Kirche sich beliebt und wohl verdient gemacht hat."
Daß Gerhardt auf eine solche Empfehlung hin die Stelle erhielt, versteht sich wohl von selbst. Er wurde den 18. November 1651 in der St. Nikolai- Kirche zu Berlin zu diesem Amte ordinirt und trat dasselbe bald darauf an. Als Geistlicher fühlte er bald das Bedürfnis nach einer Rebensgefährtin und erwählte dazu die Tochter seines früheren Prinzipals, Anna Maria Barthold, zu der er schon während seines Berliner Aufenthalts eine stille Neigung gehabt hatte. Am 11. Februar 1655 schloß er den Ehebund mit ihr. Gleichwohl wollte es ihm nicht gelingen, sich in Mittenwalde einzuwohnen. Denn er wurde dort von mancherlei Leid und Trübsal heimgesucht. Er verlor nämlich seine erstgeborne Tochter Marie Elisabeth sehr bald durch den Tod. Się liegt in der Kirche zu Mittenwalde begraben und ihre dort angebrachte Gedächtnistafel trägt die Inschrift: Wenig und böse ist die Zeit meines Lebens."( 1. Mos. 47,9.) Auch mußte er im amtlichen Leben durch die Streitsucht seines Collegen, des Diaconus Allborn, der es ihm nicht verzeihen konnte, daß er bei der Besetzung der Propstei ihm selbst vorgezogen worden war, viel Ungemach ausstehen.
Daher kam ihm eine Berufung an das erledigte Diaconat an der St. Nikolai- Kirche zu Berlin, die im Jahre 1657 an ihn erging, ganz außerordentlich erwünscht. Er säumte nicht, derselben sofort Folge zu leisten und wirkte bis 1666 in reichem Segen in diesem Amte. Im genannten Jahre aber wurde er ein Opfer der Unions- Versuche des großen Kurfürsten.
Diese Versuche waren in der Mark Brandenburg nichts Neues, Schon der Kurfürst Johann Sigismund, der im Jahre 1613 zur reformirten Kirche übergetreten war, hatte sich damit getragen. Seine wohlgemeinten Bestrebungen hatten aber weder bei den lutherischen, noch bei den reformirten Theologen das wünschenswerthe Verständnis gefunden. Die Lutherische Landeskirche, die bis zum Übertritt des Kurfürsten die unbedingt herrschende gewesen war, fühlte sich seitdem als eine gedrückte Kirche und war von tiefem Mißtrauen erfüllt. Daher war es erklärlich, daß auch der Kurfürst Friedrich Wilhelm, als er die Bestrebungen seines Großvaters wieder aufnahm, heftigen Widerstand fand. Gleichwohl war er nicht zu bewegen, diese Bestrebungen aufzugeben, sondern fuhr fort wohlwollende Versuche zur Vereinigung der beiden Kirchen zu machen. Zunächst erließ er am 2. Juni 1662 eine Verfügung, welche es den Geistlichen beider Kirchen verbot, die Gegner auf den Kanzeln mit Schimpfnamen zu belegen und sich wechselseitig öffentlich zu verkegern und zu verdammen. Denjenigen, welche sich durch diese Verfügung in ihrem Gewissen bedrückt


