14 Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. ohne zugleich auch seiner Mutter anzugehören? Sind wir nicht durch die Annahme an Kindesstatt, die uns zu Kindern Jesu macht, mit Maria in die innigste Verbindung getreten? Hat uns nicht Jesus in der Person seines geliebten Jüngers an seine Stelle gesetzt und uns seiner Mutter vom Kreuze herab als Kinder übergeben?
Maria nimmt sich ohne Unterlaß als wahre Mutter im Himmel ihrer Kinder an. Unser ewiges Heil liegt ihr zu nahe am Herzen, als daß sie zu den Finsternissen, die uns umgeben, zu den Versuchungen, die uns bestürmen, zu den Gefahren, die uns auf der Pilgerreise durchs irdische Jammerthal drohen, gleichgiltig sein könnte. Die Kirche nennt sie Mutter der schönen Liebe; und wie dürfte sie diesen Ausdruck wagen, wenn Maria nicht die barmherzigen Gesinnungen ihres göttlichen Sohnes gegen uns angenommen hätte? Wird ihr Jesus jenes Mitleid gegen die Sünder, das Ihn bewogen, sich bis zu unsrem Elende herabzulassen, nicht mitgetheilt haben? Wird dieſe Mutter den Sündern und uns elenden Menschen, für welche Jesus sein Herz am Kreuze geöffnet und sein Blut vergossen hat, das Herz verschließen?
Doch warum verweilen wir bei ängstlichen Fragen? Haben wir ja die auffallendsten Beweise, die uns von der Güte unsrer liebevollen Mutter überzeugen. Wir wollen zwar weder die Wunder der Bekehrungen, die sie bei Gott erwirkt, noch jene Seelen, die sie von den Wegen des Verderbens zurückgeführt, noch jene lauen Christen, die sie vom Schlafe der Trägheit erweckt hat, uns vorstellen und sie von der Barmherzigkeit Mariens


