Erster Theil. Auslegung des Salve Regina. Sollten wir etwa fürchten, sie würde einem Sünder ihren Beistand versagen, weil die Summe seiner Laster und Vergehen allzu groß ist? O nein! Oder soll ihre erhabene Würde und Heiligkeit den Unglücklichen abschrecken, sich an sie zu wenden? Noch viel weniger! Je erhabener und heiliger fie ist, desto milder und barmherziger erweist sie sich gegen jeden Gefallenen, der voll Vertrauen zu ihr seine Zuflucht nimmt. Irdische Könige und Königinnen erregen Furcht durch den Glanz, mit dem sie sich umgeben, und die Unterthanen pfle= gen nur mit Schüchternheit ihrem Throne zu nahen; was aber," sagt der Hl. Bernard, könnte wohl den Sünder zurückhalten, sich dieser huldvollen Königin der Barmherzigkeit zu nähern? Wer sie aufsucht, findet nichts Strenges, nichts Furchtbares in ihr, sie kommt allen mit Milde und Sanftmuth entgegen. Wie wäre es möglich, daß sie als Mutter der Barmherzigkeit einem armen Sünder ihren Beistand verweigern könnte? Bedarf ja nicht der Gerechte, sondern nur der Sünder der Erbarmung. Wie gerne wird ihr göttlicher Sohn, der sie selbst zu seiner Mutter sich erwählt, dem sie so viele Dienste geleistet, und zwar in der reinsten Absicht, aus Dankbarkeit jede Bitte gewähren, die sie für hilflose Sünder bei Ihm einlegt, bei Ihm, der ja selbst aus unendlich liebevoller Erbarmung sein Leben für alle Verlornen am Kreuze aufgeopfert hat!" In den Offenbarungen der hl. Brigitta steht geschrieben, Maria sei die Königin des Himmels und die Mutter der Barmherzigkeit, die Freude der Gerechten und die Pforte, welche die Sünder zu Gott führe. Jeder,
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