Spee, Trutnachtigall.
Wo früh die Sonne treibet an Die Sonnenroff' mit Sporen
Und wo sie nachts von weißer Bahn Hinreitet zu den Mohren,
Dem Höchsten man zu Lob und Preis Das Opfer gern erweiſet,
Es wird der Leichnam schwanenweißz In aller Welt geſpeiset.
Substanz und Art von Brot und Wein Verwandelt sich zum Leibe,
Doch scheint's von außen so zu sein, Daß Brot und Wein es bleibe.
Geruch, Geschmack, Farb' und Gestalt Sich frisch noch laffen finden,
Als wär's von Wesen und Gehalt Nur Schale noch und Rinden.
Gestalten, beide nackt und bloß, Wie Wein und Brot geründet, Sind wein- und brot- und bodenlos, Stehn ohne Grund gegründet.
Ja, drunter noch versteckt, vermummt Hat Gott sich eingeschoben:
Vor Wunder Erd' und Meer verstummt Und Luft und Himmel droben.
Was erst es war, ist nun nicht hier, Es läßt sich beides scheiden,
Doch was es war, bleibt's für und für, Der Schein ist gleich bei beiden.
So schmeckt man da, was nicht mehr da, Was lang' verzehrt vom Segen;
Nicht schmeckt man da, was wahrlich da Von Fleisch und Blut zugegen.
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