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Trutznachtigall / von Friedrich Spee. Erneut von Karl Pannier
Entstehung
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Spee, Trußnachtigall.

Das Brot, das ist den Weizenschnee, Nahm er zuerst zu Händen, Reicht' ihnen das und ließ es jäh In wahres Fleisch sich wenden; Hernach den Wein, den roten Saft, Darreicht' er den Genossen,

Durch nur ins Wort gefaßte Kraft In wahres Blut zerflossen.

O Liebe, viel zu stark und groß, Haft frei mit Gott gerungen, Haft ihm durch süßen Herzensstoß Groß Wunder abgezwungen: Das ew'ge Wort auf kurzes Wort In Brot und Wein sich wandelt Und, trink- und eßbar auch sofort, Sich selber hebt und handelt.

Dann weiter auch, was er vollbracht, Wollt er uns hinterlassen:

Er gab den Zwölfen gleiche Macht, Die mit zur Tafel saßen.

Von ihm ward es auf uns vererbt,

Die wir durch Priesterweihen

Mit gleichen Worten ungefärbt

Das gleiche Werk erneuen.

In Christi Leib wir Wein und Brot

Ganz wesenhaft verkehren, Betrachten seine Pein und Not Dabei mit heißen Zähren. Zum Opfer heben wir es auf, Bis wo sich kehrt und wendet Die güldne Post in stätem Lauf, Die Licht und Strahlen spendet.