VIII
Art Beten und Bitten. Und wenn es nachher erst sagen und bitten kann: Liebe Mutter, Milch! so denkt es nicht daran, daß die Mutter ihm etwas schuldig sei; es erwartet von der Liebe und Güte der Mutter Alles. So mußt du auch dem lieben Gott deine Gebete und Bitten vortragen'; du mußt erkennen und fühlen, daß du aus dir nichts bist und nichts haft und nichts vermagst, daß alles Gute an dir von Gott ist; er hat dich aus Nichts hervorgezogen; er hat dich ernährt und versorgt; er hat dich so zu sagen auf den Händen getragen und trägt dich noch auf den Händen; von dir hast du nichts, als die Sünde: was würde aus dir geworden sein, wenn Gott seine Hand zurückgezogen hätte? In der Hölle säßest du vielleicht schon! Denke also geringe von dir, und gut und erhaben von Gott. Und wenn du auch noch so gering von dir, und gut und erhaben von Gott denkest, so bist du doch noch geringer, und Gott gütiger und erhabener, als du meinst. Ach wenn wir wüßten, wie klein und schlecht wir find; und wie groß und gut Gott ist; wie würden wir uns verachten und Gott lieben! Bettler find wir! elend, nackt und bloß! Was thut ein Bettler? Er bittet und vertrauet dabei nicht auf seine Verdienste, sondern auf die Großmuth und Güte des reichen Mannes. Siehe, wie der Bettler vor dem vornehmen Herrn, so sind wir vor Gott. Ach Gott, Herr, Vater! ich bin nichts, und habe nichts, und vermag nichts: aber erbarme dich meiner um deiner Liebe willen, um deines lieben Sohnes willen; ich bitte nicht um Ueberfluß, nur so viel, als ich heute an Leib und Seele zu deinem Dienste nöthig habe.


