Dich, wird Dein Verräther! Wie aber?- kennet der Herr Seinen Verräther und Er erträgt seinen Unblick, stößt ihn nicht von Sich, speiet ihn nicht an, regt nicht alle Donner des Gerichts wider ihn auf, reißt ihm nicht die schändliche Maske vom Ungesichte und überantwortet ihn nicht dem verdienten Verderben! Wir freilich, die wir Donnerssöhne sind von Natur, wir ertrügens nicht, Feuer vom Himmel riefen wir! Ach und wen faßte dann des Feuers erste Gluth?- Dich, mein Freund! Dich und mich hätte sie längst ergriffen und verzehrt, wenn auf jeden Verrath an Jesu Christo Tod und Verderben stände. Oder ist nicht jede Sünde Verrath an Ihm? Wo meine Lust mich je über Sein heiliges Gebot hinwegführte, daß ich es mit Füßen trat, wo ich meinen Begierden folgte und nicht Seines heiligen Geistes mahnender Stimme, wo ich um Sündenfreuden Seinen heiligen Willen verkaufte, wo ich um schändlichen Gewinnes willen die Gerechtigkeit verließ, die vor Gott gilt, wo ich um Menschengunst oder Ungunst die Spieße und Nägel, die Sein Wort hat, abstumpfte, wo ich gar mit meinem Beispiele eines Menschen gute Sitten verdarb, oder gar zu einem bösen Buben ward, der einer Frommen zum Sündenwege verlockte da, da überall war ich Sein Verräther. Jesus! o wer hätte Dich denn niemals, nie verrathen! Barmherziger! Dank für Deine Gnade, daß Du nicht gekommen bist zu richten, sondern selig zu machen, und daß Du vor uns stehst, nicht mit dem Worte der verdienten Strafe, und nur mit der wehmüthigen Klage: » Einer unter euch wird mich verrathen!«< Aber Entseßen ergreift die Jünger. Wie selig hingen eben noch ihre Angesichter an dem theuern, geliebten
Die heil. Passion.
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