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standes heiliger Gedanken rühmen, daß sie sich damit völlig begnügen können. Ich gebe dieses solchen Seelen zwar in gewissen Zeiten zu, möchte sie aber wohl fragen, ob ihnen nicht auch ein Seelenzustand bekannt sei, welcher die geistliche Dürre heißt, wo dem betrübten Gemüthe nicht ein guter Gedanke, kein Spruch oder Trost zufließen will.
Vorrede.
Kinder Gottes gehen hierin nach meiner Erfahruug den Mittelweg; nämlich: wenn sie ein Morgen- oder Abendgebet lesen, so bekommen sie dadurch verschiedene schöne Betrachtungen und Gedanken, die ihnen vielleicht sonst nicht beigefallen wären. Hiebei aber ist ihre AnSacht nicht geendigt, sondern sie tragen GOtt insbesondere ihr und der Ihrigeu besonderes Leiden, ihre Bekümmerniß, ihre obschwebende Gefahr, ihre betrübten Umstände vor; seßen sie noch eine andere Betrachtung dazu, so wird, wenn dieses mit Andacht geschehen, die Seele den ganzen Tag hindurch erquickt, und bei Ge legenheit an das Gelesene erinnert werden.
In dieser Absicht habe ich auf Anrathen Gottliebender Freunde mit dem ersten Theile dieses Handbuchs eine Aenderung vorgenommen. Sie meinten, es wäre beffer, auf jeden Tag ein Gebet, als nur immer ein Morgen- und Abendgebet zu haben; ihr Wunsch war, daß die besondern Betrachtungen mit jedem Tage verbunden werden möchten, weil sie sonst gar ausgesetzt bleiben. Ich habe dennoch alles dieses mir gefallen lassen, und nicht allein für einen jeden Tag eine Morgen- und Abend- Andacht bestimmt, sondern auch demselben zwei besondere Betrachtungen beigefügt, damit die Leser mit denselben abwechseln, aber auch ihre Andacht des Tages dreimal erneuern und unterhalten können.
Außer dieser Versegung der Betrachtungen habe ich


