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sale gereinigt, so gab Er uns vollkommene Ruhe und Frieden wieder. Wahrlich, betrachten wir Solches, so muß unser Herz zum Gebete entflammt werden. 1) Das wollte auch ohne Zweifel Gott, indem Er uns beten lehrte; daß wir von unserer Armuth und von dem Mangel einer jeden anderen Hilfe uns überzeugen, und darum mit ganzer Demuth zu seiner Barmherzigkeit unsere Zuflucht nehmen möchten.
Freilich tönen oft, wenn vom Gebete die Rede ist, im Innersten mancher Herzen die Worte wieder: Was ist das, daß wir immerdar beten und doch kaum irgend Jemand eine Frucht seines Gebetes sieht? Wie wir hinzutreten, ſo kommen wir wieder; Niemand antwortet uns ein Wort, Niemand schenkt uns Etwas, wir scheinen umsonst gearbeitet zu haben. Was spricht aber der Herr im Evangelium? Richtet nicht nach dem Augenschein, sondern fället ein gerechtes Urtheil. Was ist das gerechte Urtheil anders, als jenes, welches der Glaube fällt? Der Glaube ist wahrhaft, die Erfahrung trügt. Die Wahrheit des Glaubens ist aber ausgesprochen in der Verheißung des Sohnes Gottes: Alles, was ihr in eurem Gebete verlanget, glaubet nur, daß ihr es empfangen werdet, und es wird euch gegeben. Darum achte Keiner sein Gebet gering; denn Der, zu welchem wir beten, achtet es nicht gering. Bevor es noch unserem Munde entströmt, läßt Er es schon in seinem Buche verzeichnen; und auf Eines von beiden können wir mit Zuversicht hoffen: entweder wird uns zu Theil, was wir bitten, oder es wird uns etwas Besseres gegeben. Oft wissen wir nicht um das, was uns Noth thut, zu beten; Gott aber erbarmet sich unserer Unwissenheit, nimmt unser Bitten gnädig auf, gibt uns das nicht, was uns überhaupt nicht nüglich oder nicht so dringend nöthig ist, ohne darum unser Gebet unerhört zu lassen. Er
1) Hugo v. St. Victor.


