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Das Elend des Menschen und die Barmherzigkeit des Herrn sind zwei Flügeln zu vergleichen, auf welchen sich das Gebet erheben muß. Bedenken wir, wie kurz unser Leben, wie schlüpfrig der Weg, wie ungewiß die Todesstunde ist. Bedenken wir, daß wir weinend in dieses Leben eingetreten sind, daß wir es in Schmerz durchwandeln, und daß wir mit Jammer davon scheiden werden. Bedenken wir, wie viel Bitterfeit selbst demjenigen beigemischt ist, was uns in diesem Leben Angenehmes und Erfreuliches begegnet, wie trügerisch, verdächtig und vergänglich Alles ist, was die Liebe dieser Welt gebärt. Wer könnte herzählen alle übel dieses Lebens, welche auf den Menschen im Allgemeinen lasten, alle Gefahren, welche die Einzelnen bedrohen. Erinnern wir uns, wie viele Sünden wir von Jugend auf begangen, wie viele eitle Arbeit wir gethan, wie wir oft aus Liebe zu dieser Welt umsonst uns abgemüht und in unseren Erwartungen uns getäuscht gesehen haben, wie wir nach langem Suchen uns dennoch keiner Ruhe erfreuten. Was kann uns inständiger zum Gebete auffordern, als solche Betrachtung? Aber was mag auch andererseits uns lieblicher dazu anlocken, als das Gedächtniß an die Barmherzigkeit des Schöpfers. Kühn mögen wir für die Zukunft auf seine Erbarmungen hoffen, wenn wir uns erinnern, welches Maaß derselben bis daher uns zu Theil geworden ist. Bedenken wir, wie viel Gutes Er uns gegeben, wie oft Er uns gnädig aus den Gefahren gerettet hat und wie Er ungeachtet aller unserer Sünden im Erbarmen nicht ermüdet ist. Bedenken wir, wie Er alsdann, wenn wir Ihn vergaßen, uns wieder an Sich erinnerte, wenn wir von Ihm gegangen waren, uns wieder zu Sich rief, wenn wir kamen, uns gnädig aufnahm; wie Er uns vergab, wenn wir Reue zeigten, wie Er uns hielt, wenn wir standen, wie Er uns aufrichtete, wenn wir fielen, wie Er aus unserer bösen Lust uns bitteres Leid, und aus dem bitteren Leide wiederum himmlischen Trost bereitete. Und waren wir dann durch Trüb


