etwa unser Gebet nicht mit einem Reichthum süßer Gefühle und innerer Tröstungen verbunden ist. Die Liebe Gottes besteht weder in Tröstungen, noch in zarten und süßen Empfindungen; sonst hätte unser Heiland Seinen himmlischen Vater nicht geliebt, als Er, traurig bis in den Tod, zu Ihm rief: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Und doch vollbrachte Er gerade in diesem Augenblicke den höchsten Beweis Seiner Liebe, welcher alle menschliche Begriffe übersteigt. ¹)
Nur Solche, deren Frömmigkeit wankend und unſtät iſt, werden sogleich matt und mißmuthig, wenn sie eine geistige Trockenheit befällt. Nicht also sollen wir thun; sondern je mehr uns Gott Seine Tröstungen entzieht, um so thätiger ſollen wir uns bemühen, Ihm unsere Treue zu beweisen. Wer Gott um der Tröstungen willen dient, der liebt mehr den Trost Gottes als den Gott des Trostes, und wer hier das Kreuz flieht, ist nicht werth, demselben zu folgen, noch auch ein Jünger eines solchen Meisters zu seyn. 2)
Seyen wir also emsig im Gebet. Beten wir oft, ſo daß unser Leben einem Gebete ohne Unterlaß zu vergleichen ist. Es ziemt dem Streiter Christi nicht, die Waffen abzulegen, ſo lange der Kampf noch nicht geendet ist. So lange die Gefahr dauert, bedürfen wir Gottes Hilfe; so lange das Elend währt, haben wir Gottes Erbarmung nöthig. Erblicken wir an uns oder Anderen ein Übel, so haben wir zu beten; nehmen wir an uns und Anderen Güter wahr, so haben wir zu danken. Je vielfacher die Nothwendigkeit des Gebetes wirklich ist, um so zahlreicher ist auch die Gelegenheit dazu. 3) Betrachten wir unser Elend und unsere mannigfachen Bedürfnisse! Nichts kann uns kräftiger zum Ernste und Eifer im Gebete auffordern. Betrachten wir die Erbarmung unseres Schöpfers! Nichts kann uns freundlicher die Innigkeit und Ausdauer beim Gebete empfehlen!
1) Der h. Franz v. Sales. 2) Derselbe. 3) Frater Humbertus.
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