Manna herabregnen, es lockte Wasserbäche aus dem dürren Felsen hervor und schlug ein ganzes Kriegsheer in die Flucht. Das Gebet löste die Bande des Petrus, öffnete ihm den Kerker, indem es das eiserne Thor aus seinen Riegeln schob. Auch da Paulus und Silas um Mitternacht beteten, erschütterte ein Erdbeben den Kerker, worin sie eingeschlossen waren. ¹)
Alsdann aber beten wir nur wahrhaft, wenn wir an nichts Fremdes denken, sondern wenn unsere ganze Aufmerksamkeit auf das Höchste gerichtet und unsere Seele von dem Feuer des heiligen Geistes durchglüht ist. Dann findet sich in uns eine mächtige göttliche Strömung, so daß aus dem innersten Mark unseres Herzens die Liebe Gottes aufsteigt, und nicht mehr sowohl die einzelnen Worte unseres Gebetes als vielmehr jede Sylbe desselben gleich einem mächtigen Schrei der Sehnsucht sich zu Gott erhebt. Je mehr gesammelt unsere Seele, und je wärmer unsere Liebe ist, um so mehr steigt es aus unſerem Munde als ein Wohlgeruch zu Gottes Angesicht empor. 2) Das Gebet ist Sache des Herzens, nicht der Lippen; nicht auf die Worte, sondern auf das Herz des Betenden sieht Gott. Besser ist, ohne hörbaren Laut in der Stille des Herzens zu beten, als mit bloßen Worten ohne Theilnahme des Geistes ein Gebet zu sprechen. 3) Seyen wir eingedenk, daß Gott ein Geist ist, und daß wir im Geiste zu Ihm rufen müssen, wenn unser Ruf an Ihn gelangen ſoll.
Verzagen wir indessen nicht, wenn zuweilen die äußere Haltung oder die innere Stimmung beim Gebete uns verläßt. Das ist's, wovon der Apostel sagt: Der Wille ist zwar da, aber das Gute zu wirken will mir nicht gelingen. Harren wir aus; wer bittet, der empfängt, wer anklopft, dem wird aufgethan. 4) Noch weniger mögen wir uns um dessenwillen grämen, daß
1) Der H. Nilus. 2) Richard der Eremite. 3) Der h. Ifidor. 4) Der h. Bernhard.


