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Erstes Buch. Zweites Kapitel.
2. Unterdrücke das allzu große Verlangen nach Wissen, denn es zerstreut dich und führt dich irre. Die Gelehrten wollen gern geſehen und Weise genannt werden. Es gibt viele Dinge, deren Kenntniß der Seele wenig oder gar keinen Nußen bringt. Und Jener ist gewiß sehr thöricht, welcher auf etwas Anderes bedacht ist, als was zu seinem Heile dient. Viele Worte sättigen die Seele nicht, aber ein frommes Leben erquickt das Gemüth und ein gutes Gewissen erwirkt großes Vertrauen zu Gott.
3. Je mehr und gründlicher du gelernt, um so härtere Strafe wird dich treffen, wenn du nicht desto heiliger gelebt hast. Darum erhebe dich wegen deinen Gaben oder deinem Wissen niemals: die dir verliehene Kenntniß mache dich vielmehr furchtsam und vorsichtig. Glaubst du nun viel zu wissen und wohl zu verstehen, so erinnere dich gleichwohl, daß es noch viel mehr gibt, was du nicht weißt. Bilde dir nicht zu viel ein, sondern gestehe dir vielmehr deine Unwissenheit. Was willst du dich einem Andern vorziehen, da es doch Viele gibt, die dich an Gelehrsamkeit übertreffen und im Gefeße erfahrner sind als du? Willst du etwas wissen und lernen, was dir vorzüglich heilsam ist, so lerne die Kunst, gern unbekannt zu sein und gering geachtet zu werden.
4. Die Erkenntniß und Geringschäßung ſeiner selbst ist die höchste und nüßlichste Wissen


