Von der Kraft und Wirkung des Gebetes. 11 gewiß, die entschlafene Liebe wird aufwachen, unser laues Herz wieder erwärmen, und neue Vorsäße, uns mit allem Ernste an Gott allein zu halten, erzeugen.
Oft fühlen wir einen lieblosen Kaltsinn gegen unsere Brüder; noch öfter fönnen wir uns nicht überwinden, unsern Beleidigern von ganzem Herzen zu vergeben, und die auflodernde Rachbegierde zu unterdrücken. Sobald wir aber anfangen, für unsere Mitmenschen zu beten, und nach dem Gebete und Beispiele unsers Erlösers, auch für unsere Feinde zu Gott seufzen: schnell ändert sich sodann unser liebloser Sinn. Wir fühlen nicht nur uns geneigt zu verzeihen, sondern auch eine geheime Seelenlust verziehen zu haben.
Die Wollust verliert ihre bezaubernde Macht, wenn wir mit dem Allerheiligſten, der jede Sünde, seiner Heiligkeit wegen, unversöhnlich hassen muß, inbrünstig reden. Der Geiz wagt es nicht, sich zu regen, wenn wir von unserm Vater die ewigen Schäßze, die Gerechtigkeit, den Frieden der Seele,


