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Vom Gebete überhaupt.
Versuchung fallet;" ermahnet der Heiland ſelbst.
Das Gebet besteht wesentlich dem Seufzen des Herzens, denn die Gebete des heil. Geistes sind Seufzer. Wer Gott nicht liebt, seufzet auch nicht nach dem ewigen Leben, und wer nach dem ewigen Leben nicht seufzet, der liebt auch Gott nicht. Nun muß man aber um zu seufzen, da, wo man ist, sich übel befinden, und einen andern Zustand wünschen und verlangen. Wer also nicht seufzet, der betet auch nicht; und wer nicht betet, darf sich nicht Hoffnung machen, von Gott irgend etwas zu erlangen. Denn, obgleich Gott als der Allwissende unsere Bedürfnisse am besten kennt, und als der höchst Gütige uns Alles zu geben bereit ist, was uns nüßlich und heilsam sein kann: so will er doch darum von uns gebeten und angerufen sein.
Obgleich die Christen nicht ihr ganzes Leben mit Beten zubringen können- und auch nicht sollen, da die andere Hälfte ihrer Pflichten sie zum Arbeiten verbindet; so


