Morgen und Abendgebete.
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Am Mittwoch Abends.
Auch
uch diesen tag habe ich, allgütiger Gott! unter deinem schuße und fegen zugebracht. Auch heute hast du mir so viel gutes gethan; so manche noth und gefahr von mir abgewandt; mich vor vielen sünden, die ich hätte leicht begehen können, gnådig behütet! mir zur ausrichtung meiner arbeiten gesundheit und kräfte, zur erhaltung meines Lebens meine bedürfnisse verliehen. Dank, innigster dank erfüllt mein herz, o Gott, für deine gute. Auch mein ganzer wandel follte zugleich ein beständiger dank für diese deine gute seyn; und noch heute habe ich dir dies in meinem morgengebete zugesagt. Über wie beschämt muß ich vor deinem angesicht über meine treulosigkeit werden, wenn ich auch mein heutiges verhalten untersuche! wie wenig kann ich sagen, daß ich heute dich, mein Gott, bei allem, was ich dachte, redete und that, vor augen gehabt! daß ich dich über alles geliebt, deinen willen mit freuden erfüllet, und aus kindlicher ehrfurcht gegen dich, alles böse vermieden! daß ich allen reizungen zur eitelkeit, zum stolze, zum zorne, zur wollust sorgfältig widerstanden, immer auf meine eigene befferung allen mir möglichen fleiß gewandt, meine schuldigkeit treu erfüllet; daß ich keinen menschen durch hårte und unbilligkeit gekränkt, sondern vielmehr meine zeit, meine güter, meine fähigkeiten und kräfte zu deiner ehre und zum besten meiner nebenmenschen angewandt habe! Und wenn du, allmächtiger! nun dieſe nacht meine seele von mir fordertest, wie wenig wäre ich noch immer im stande freudig zu sterben, und mich einer seligen ewigkeit zu getrösten! O Gott! ich empfinde mit reue und schmerzen, daß ich täglich fündige, und mich dadurch längst deiner gnade unwerth gemacht habe. Bergieb mir, um Jesu meines mittlers willen, alle sünden dieses tages; vergieb mir auch meine verborgenen und unerkannten fehler. Ich will mich hüten, daß ich nicht wieder gegen dich fündige. Stärke du mich selbst durch deinen geist in diesem guten vorsage, und gieb mir kraft, ihn so treu auszuführen, daß ich morgen frommer als heute seyn, daß ich künftig täglich in allem guten zunehmen, und jeden abend zum tode vorbereitet und zum himmel reif seyn möge. Laß diese nacht für mich eine ruhige nacht seyn, und mich durch einen sanften und erquickenden schlaf zu den geschaf ten des morgenden tages gestärkt werden. Beschüße mich und die meinigen vor aller gefahr und übel, und nimm dich aller elenden und nothleidenden, aller kranken und sterbenden, auch aller fünder und unbekehrten, väterlich an. Erhöre mich um Jefu Chrifti willen. Amen.
Am Donnerstage Morgene.
Stoß,
, unendlich groß ist deine gute, treuer und gnädiger Gott, gegen deine menschen! Auch mir sagt es jeder morgen und jeder abend, wie erbarmungsvoll und väterlich du gegen mich gesinnet bist. Unter den vielen millionen deiner geschöpfe hast du mich nicht aus der acht gelassen, sondern mich durch deine allmacht und gute geschüzget und gesegnet. Mit erneuertem leben bin ich jetzt von meinem lager aufgestanden; meine empfindungen, meine kräfte und fähigkeis ten sind aufs neue in mir erwacht, und ich bin dadurch wieder in den stand gesegt, die schönheit deiner welt und mein leben zu genießen. Dies muß mich also aufs neue zu meinen pflichten ermuntern. Ja mit diesem morgen muß und will ich mich dir, mein Gott und mein erlöser, aufs neue zum eigenthum ergeben; mit neuem eifer


