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Morgen und Abendgebete.
bill ich auf dem wege deiner gebote wandeln, neue fromme vorsäge uf mein künftiges leben faffen, und neue treue in deinem dienst jeweisen. Ich will in dem stande, und in den umständen, worin du aich gesetzt hast, mit neuer redlichkeit für deine ehre und das beste neiner nebenmenschen thätig seyn, und meine kräfte und fähigkeiten, neine glücksgüter und arbeiten zu diesem zwecke gewissenhaft und pillig anwenden. Aber, mein gott, mitten unter diesen erneuerten orsagen werden mich auch neue versuchungen und anlässe zur sünde imgeben: ich mag noch so entschlossen zum guten seyn, ich mag noch o gute rührungen in meiner feele bey dieser meiner stillen morgenandacht haben: so können doch diese guten entschließungen unter den erstreuungen und sorgen meines berufs, und die verbindungen, worin ch mit andern menschen stehe, durch unerwartete begegnungen ind vorfälle, leicht wieder in mir geschwächt werden und verschwins Sen. Gott, unterstüße du mich durch deinen beystand, daß ich bey einer gelegenheit fünde begehe und deine gnade verliere. Laß die rinnerung an deine allgegenwart stets einen so lebendigen eindruck uf mein herz machen, daß ich mich scheue, auch selbst im verborges hen nichts böses zu thun; und gieb, daß jeder gedanke meiner ſeele, ede empfindung und neigung meines herzens auf frömmigkeit, tus gend und menschenliebe gerichtet sey. Und so will ich denn diesen fag ohne angstliche sorgen und bekümmerniß anfangen, und freudig an meine arbeit gehen. Ich will deiner weisen regierung, du vater meiner seele! das ganze glück meines lebens mit kindlicher zuversicht überlassen. So viele tage hast du schon väterlich für mich geforget, und mich aus so mancher noth herausgerissen; ich traue es dir, der du mich durch Jesum Christum zur ewigen seligkeit erlöset hast, dir und deiner vatergüte traue ich es zu, du wirst auch diesen tag mit mir seyn, mich behüten, versorgen und segnen, und alle meine irdis fchen angelegenheiten so ordnen und leiten, daß mein wahres zeitliches und ewiges glück dadurch befördert wird. Dies bitte ich von dir für mich, für die meinigen, und für alle menschen, um Jesu Christi willen. Umen.
Am Donnerstage Abends.
in
err, unendlich gütiger Gott! unter so vielen tagen, die ich schon einziger verstrichen, an welchem du mir nicht unzählig viel gutes gethan, mich väterlich geleitet, vor vielem bösen bewahret, und mit geistlichen und leiblichen wohlthaten begnadigt hast. Auch für die gute des heutigen tages muß ich dich in dieser abendstunde preisen. Ich rief dich an dem heutigen morgen um die erhaltung meines Lebens, um schuß in gefahren, um segen zu meinen arbeiten, um die regierung deines guten geistes an: und du hast mein gebet erhöret, ja noch mehr ge than, als warum ich dich bat. Wie ruhig könnte jest mein herz, wie freudig mein dank, wie sanft und erquickend mein schlaf seyn, wenn ich mich bey dem genusse deiner wohlthaten keiner verfündigung fchuldig gemacht hatte; aber mein gott, auch dieser tag ist von mir nicht ohne viele sünden durchlebt worden. Wie viele fehler habe ich heute begangen, zu welchen ich schon durch mein temperament, durch meine lieblingsneigungen, durch mein alter und lebensart, oder auch durch den umgang mit andern menschen verleitet worden bin! Wie viel gutes hätte ich denken, reden und thun können, wenn ich die gelegenheiten und ermunterungen, die du mir dazu geschenkt,


