Druckschrift 
Neues Braunschweigisches Gesangbuch : nebst einem kurzen Gebetbuche zum öffentlichen und häuslichen Gottesdienste ; [nebst] Episteln und Evangelia auf die Sonn- und Festtage; nebst der Leidensgeschichte Jesu und kurzen Morgen- und Abendgebeten auf jeden Tag in der Woche
Entstehung
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Morgen und Abendgebete.

Am Mittwoch Morgens.

Ewiger, allmächtiger und allgitiger gott, du schöpfer und vater aller creaturen! ich nahe mich deinem throne mit den empfin ungen eines demüthigen und dankerfüllten herzens. Unendlich mehr, als rdische våter an ihren kindern thun, hast du an mir gethan; und u kannst mit recht von mir fordern, daß ich dich über alles liebe, ind dir von ganzem Herzen vertraue. Bis diese stunde hast du mich in seele und leib erhalten, vor gefahren geschüßt, in leiden gestärkt, nir nahrung und freuden geschenkt; durch die taufe hast du mich zum interthan deines seligen reichs aufgenommen, mich durch Jesum den weg zum himmel schren und dazu erlösen lassen, und durch deinen geist erweckest du mich immer mehr zum guten. O flöße du( denn urch mich selbst kann ich nichts); flöße du selbst meiner seele die empfindungen der ehrfurcht, der dankbarkeit und liebe gegen dich ein. Gieb, daß ich deine eigenschaften, die du allen deinen geschöpfen und auch an mir so sichtbar geoffenbaret hast, recht erkenne, und auch alles, was ich kann, dazu beitrage, daß andre dich besser erkennen, lieben und verehren lernen. Laß das andenken an deine allgegen­wart mir diesen ganzen tag über lebendig und gegenwärtig seyn, damit ich mich scheue, nicht zu sündigen, und mich bestrebe, dir durch wil ligen gehorsam und heiligen wandel zu gefallen, und deiner himm lischen seligkeit, wozu du mich durch Jesum bestimmt hast, fähig zu werden. Du kennst mein unvermögen und die schwachheit meiner kräfte; du weißt, wie viele versuchungen auch heute meine tugend umgeben. Wie gefährlich kann die welt, in die ich jetzt aufs neue trete, für mein herz werden! wie leicht kann dies mein so eitles herz durch den reiz des irdischen zum stolze, zur wolluft, zur gottesvers gessenheit verführet werden! wie leicht können die erempel der leichts sinnigen und lasterhaften mich von dir abziehen! wie leicht die leiden und unglück dieses lebens mich zum mißtrauen gegen deine vorsehung, und zur ungeduld verleiten! Stárke du, o Gott! meinen glauben; befestige meinen trieb dir zu gefallen; und mehre in mir die gewissen hafte bestrebung, nicht den verderbten begierden meines herzens, nicht den thörigten und sündlichen beispielen der welt, sondern dem erem­pel Jesu und seinen heiligen geboten bei allem, was ich denke, rede und thue, zu folgen. Und will ich dich täglich durch meine sünden beleidige; so verzieb mir um Jesu Christi willen alle meine übertre tungen und befreie mich von den strafen, die ich damit verdient habe. Laß mich auch bereit seyn, allen denen zu vergeben, die mich beleidi gen, und meine liebe gegen alle meine nebenmenschen und mitchri­ften immer stärker und thätiger werden. Und so überlässe ich deiner weisheit und güte alle meine irdischen bedürfnisse. Gieb mir auf jeden tag mein brodt, und alles, was mir und den meinigen zum unterhalte dieses lebens nöthig ist: aber gieb mir auch ein weises herz, deine gabe recht zu gebrauchen, damit ich nicht fárglich geize, noch kleinmüthig forge. Segne meine arbeit und geschäfte. Ist es deiner weisheit und meiner wahren wohlfahrt gemäß, so wende trau­rige zufälle und empfindliche leiden von mir und den meinigen ab. Sft es aber dein wille, mich durch leiden zu prüfen, so hilf sie mir tragen, und gieb mir geduld und unterwerfung unter deinen willen. Laß mich unter allen umständen meines Lebens deiner vatergüte vertrauen, und bei allen meinen schicksalen und beschäftigungen hauptsächlich für mein eigenes wohl besorgt seyn. Amen.

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