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Gesangbuch zum gottesdienstlichen Gebrauche der Reformirten Gemeinden in Kurpfalz
Entstehung
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des Gerzens ic.

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11. Gebet um Weisheit und Geduld in Trübe sal und besonderen Nöthen.

Pf. 55, 23. Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen, und wird den Ges rechten nicht ewiglich in Unruhe lassen.

chon so lange hast du mich, Vater der Barma herzigkeit, mit anbetungswürdiger Langmuth ges tragen, und doch bin ich durch deine grosse Gnade nicht allezeit ermuntert worden, das, was mir unangenehm ist, mit stiller Gelaffenheit auf mich zu nehmen. Ich weiß, daß es edel und gut ist, im Glück und Unglück sich immer gleich zu seyn, durch das Zeugniß eines gu­ten Gewissens unterstüßt, auf deinen Beystand zu trauen, und mit gesettem Geiste allen Trübfalen getroft ents gegen zu gehen. Aber bey aller dieser guten Erkennts niß und den Kräften, die du mir darreichest, bin ich doch öfters schwach und ungeduldig gewesen. Wie schäme ich mich dieser ungläubigen Kleinmüthigkeit! Wie sehnlich verlanget meine Seele, mit der Macht Deiner Stårke gerüstet, künftig unbeweglicher zu ste hen? Erhebe dich dann, mein Geist, und lerne mit erleuchteter Vernunft alle widrige Schicksale dieses Le­bens zu betrachten. Ist Gott nicht dein Vater und dein Schuß? wird er dich dann wohl in Prüfungen führen, welche nicht zu deinem Besten abzielen sollten? Ist er nicht der weise Regent des Himmels und der Er­den? der gütige Vater aller Menschen? Wird er also nicht schon, ehe dich dieß Leiden betraf, die besten Mit­tel ersehen haben, dich aus demselben zur gehörigen Zeit zu erretten? Des Herrn Rath ist wunderbar, und er führt alles herrlich hinaus, seine Barmherzig­Feit hat kein Ende, feine Güte ist alle Morgen neu, und seine Treue ist groß, und wie darf ich murren un ter dieser leichten Laft, die mein Gott mir auferleget 64 bat?