24
Andachten und Erweckungen
hat? Was war ich ohne ihn? Kein Tag meines Lebens vergieng, an welchem ich nicht wider seine Gesetze ges fündiget. Wie viele Ulebertretungen meiner Jugend reden nicht wider mich? Wie manche unheilige Begiera den, unnütze Worte, unverantwortliche Werke haben nicht auch nach der Zeit mein Herz und meinen Wans del befleckt? Wie, wenn der gerechte Gott mit mir handeln wollte nach meinen Sünden, könnte er nicht aufs empfindlichste mich züchtigen? und er züchtiget doch nur als ein Vater. O, so will ich denn dieſe wenigen Schläge zu meiner Besserung gelaffen erdula den, gerne meinen Gott loben, daß er mich doch von ewigen Quaalen errettet, mit dem Reichthum seiner Güte mich überschüttet, Gesundheit und Stärke zu meinen Arbeiten mir verliehen, und mich mit unzählis gen Freuden erquicket hat. Das Gute haben wir von dem Herrn empfangen: das Böse wollen wir denn auch geduldig annehmen. Doch es ist nicht einmal eta was Böses; Nein, unsere Leiden und Widerwärtiga keiten sind Wohlthaten und Arzeneyen für unsere Frans ke Natur; fie lehren uns heilsamlich, wie eitel alles unter der Sonne sen, und sind die geschicktesten Mits tel, uns mit uns selbst bekannter, demüthiger, vors sichtiger und weifer zu machen. ,, Ich trinke ihn dann, den heilsamen Kelch. Weiser und gütiger Bater! es geschehe dein Wille. ,, Dieß ist die Stimme meines göttlichen Erlösers, und diesem will ich auch nachfola gen, mein Kreuz auf mich nehmen, mit ihm geduldig leiden, soll es seyn, mit ihm auch getroft sterben. Stårke mich, o mein Gott! diesen grossen Entschluß auss zuführen; Erfülle mich mit dem erhabenen Muthe, der aller Widerwärtigkeiten nicht achtet, und mit der des müthigen Gelaffenheit, die deine väterliche Schickuna gen zufrieden auf sich nimmt. Wie wenige sind die Tage des Kummers gegen die Freuden, die Gott uns bereitet? Wie bald öffnet sich der Himmel, uns ewig
111


