Vorrede.
meine Seel den Tag bedenket, den Himmels: Noah und andere spielende Ausdrücke nicht vermissen werde.
Und wie soll man es denn mit alten Kirchenliedern machen, welche bey dem Guten, welches sie enthalten, durch manche Fehler und Mängel entstellt werden? Soll man sie ungeåndert beybehalten, und z. E. immer fortfahren zu fingen: ja, Vater, als er suchte, wie er mich fressen mochte; oder, weil er sonst bebende ist, daß er dich beaffe; oder, daß mich der böls - lisch Weyb nicht raub? Oder soll man sie ganz verab schieden, und um threr Fehler willen auch ihr Gutes verbannen? Wer die Sache unparthenisch überlegt, wird es doch wohl für das Beste erkennen, sie benzube: halten, und eben darum so auszubessern, daß sie beybes halten werden können. Hierzu aber ist nöthig, daß niedrige, gesuchte, spielende, tåndelnde und überhaupt alle unverständliche und unrichtige Gedanken und Ausdrücke, anstößige Zweydeutigkeiten, alle Redensarten, welche der Spottgeist leicht ins Lächerliche ziehen könnte, und welche den Leichtsinn auf unordentliche Neben: vorstellungen leiten könnten, alle auffallende Fehler gegen die Gesetze des guten Geschmacks, der Sprach: richtigkeit, des Silbenmaaßes, und des Wohllautes auf das sorgfältigste hinweggeräumet werden. Und
das wird Niemand tadeln, der bedenket, daß Kirchen: gesänge der Würde der Religion angemessen seyn, und folglich weder in Ansehung der Gedanken noch der Ausdrücke etwas Anstößiges enthalten sollen. Da in die sem Jahrhundert die deutsche Sprache sich so sehr ver: ändert und der Geschmack sich überhaupt so sehr verfei: nert hat; so ist nicht abzusehen, warum die alte rauhe Sprache und ein unächter Wiß nur bey dem öffent: X 5 lichen


