VIII
Vorrede.
befleißen. Von dem Elend, worin ihre Seele fie. cket, haben sie kein Gefühl: sonst würde auch dieses vermögend seyn, größern Eifer und Andacht im Gebet bei ihnen zu erwecken. Denn Menschen können so wenig sich selbst glücklich machen, so wenig fie durch eigene Kraft ihre Widerwärtigkeiten überwinden, denselben ausweichen oder sie von sich abkehren mögen, sondern sie müssen Gott um Besorgung ihrer zeitlichen und ewigen Wohlfahrt anflehen. Und also geschieht das Gebet der Heuchler nur mit dem Munde aus Gewohnheit, oder, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wenn sie bei demselben auch gleich die beste Ordnung beobachten, der geistreichsten Ausdrücke sich bedienen, und allerlei Bewegungen der Glieder des Leibes machen, dergleichen sonst rechten Betern nur eigen sind; so wird doch ihr Gebet nicht erhöret, sie schånden Gott, dessen Wort fie in ihren Mund nehmen, damit aber Zucht hassen. Pf. L. 16. Ein andächtiger Beter und wahres Kind Gottes aber wird, so oft es vor seinen himmlischen Vater tritt, mit kindlicher Furcht vor ihm erscheinen. Es siehet und weiß, daß ihm nicht nur im Leiblichen manches abgehet, sondern es verspüret auch im Geistlichen mancherlei Mängel und Unvollkommenheit, welchen allein die Güte und Macht Gottes abhelfen kann. Solchemnach ist sein Gebet von dem Gebet eines Heuchlers ganz unterschieden. Dieser betet aus Gewohnheit, jener aus Trieb seines Elendes und Unvermögens: Dieser allein mit dem Munde, und er


