Bußübungen.
ich burch sie das worden, was ich werden konnte? Welchen Gebrauch habe ich von der heil. Schrift gee macht? wie habe ich die Religion, die Lehren, Vorschriften und Vers heißungen Jesu, wie sein heiliges Vorbild benußt? wie oft, und wie habe ich sein Abendmal gefeiert? wie habe ich den öffentlichen und besondern Gottesdienst abgewartet, und welchen Nußen habe ich davon gehabt für meine Erkenntniß, für meinen Glauben, für meine Heili gung und Beruhigung? wie, und wo habe ich den Sonntag zuge: bracht? Und das Gebet, dieses vorzügliche Mittel der christlichen Besserung, wie habe ich es bez nupt? Habe ich an jedem Tage so oft und so gut gebetet, als ich konnte und sollte? habe ich ohne Unterlaß gebetet? habe ich mich gewöhnt, in allem auf Gott und auf Jesum zu sehen, mir ihn im mer zu vergegenwärtigen, mitten unter meinen Arbeiten und Freus den meinen Geist auf ihn hinzu= richten und stets in seiner Gegen: wart zu wandeln? und finde ich an diesen Uebungen der Andacht mehr Lust und Geschmack, als an allen Freuden der Erde?
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Was habe ich nun in dieser Hins sicht gethan? was habe ich insbe: sondere seit meiner legten Commu nion gethan? welches waren das mals meine Fehler? Habe ich dies se Fehler seitdem bestritten und verbessert, oder sind sie mir noch so eigen, wie zuvor? Vielleicht has be ich sie wohl gar mit neuen Feh lern vermehrt? Und wie habe ich mich im Guten geübt? Wie viel bin ich an Erkenntniß Gottes und Jesu Chrifti, an Erkenntniß meis ner gegenwärtigen und zukünftigen Bestimmung, an Glauben, an christs licher Tugend und Glückſeligkeit vollkommner worden? Bin ich auf dem Wege des Lebens vorwärts, oder rückwärts gegangen? Kann ich mit mehrerm Grunde auf Gott hoffen? darf ich von seiner Vaters liebe durch Christum Bergebung meiner Sünden, Befreiung und Seligkeit erwarten, ohne mich zu täuschen? liebe ich ihn mehr, als sonst? ist mir seine Gnade theurer, als ehedem? Ist mir insbesondere Jesus und sein Verdienst wichtiger worden? kann ich mit Wahrheit sagen, daß ich Aues auf Erden für nichts achte gegen ihn? Habe ich die Menschen, auch diejenigen, die mir nicht wohlwollen, mehr lieben gelernt? ist mir keiner bewußt, den ich gehaffet, beneidet, vers leumdet, getränket und beeinträchs tiget, mit dem ich in Feindschaft und Unversöhnlichkeit gelebt habe? Was habe ich Gutes gethan? was zur Beförderung des Wohls meis ner Nebenmenschen beigetragen? und wie, aus welchen Absichten und Beweggründen habe ich es gethan? Bin ich durch mein Verhalten Gott, meinem Vater und Erlöser, angenehmer und wohlgefälliger, den Menschen, meinen Brüdern, nüßlicher, in Absicht auf mich selbst besser, ruhiger, zufriedner, zum Tode, der mir immer näher kommt, geschickter und eines höhern Zustandes fähiger worden?
in
Wie lange lebe ich schon auf Erden! Jeder Abschnitt meines Les bens, jedes Jahr, jeder Monat, jeder Tag soll mich in der Erkennt niß Gottes und Jesu Christi, der Nehnlichkeit mit ihm, in der christlichen Freiheit, Vollkommen: heit und Glückseligkeit weiter bringen. Ich soll und darf nie stille stehn. Wie ich heute bin, darf ich nicht bleiben. Die Fehler, die ich heute begehe, darf ich morgen nicht wieder begehn. Die Trägheit und Nachlässigkeit im Guten, die ich heute an mir gewahr werde, darf sich nicht immer an mir fins den. Jede Nachtmalsfeier insbes sondere soll mir mehr Stärke im Glauben, mehr Lust und Kraft zum Guten, mehr Weisheit zur Führung des gegenwärtigen Les bens, und mehr Fähigkeit zum Genusse des zukünftigen gewähren.
Herr, du erforschest mich und kennest mich. Du weißt es, ob ich zeither auf guten oder bösen We


