Druckschrift 
Dresdner Gesangbuch, auf höchsten Befehl herausgegeben : mit königl. Sächs. allergnädigstem Privilegio
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Communionandachten.

444

gen gewandelt habe; ob ich besser, oder böser, zu einem höhern Leben geschickter, oder ungeschickter wor= den bin; ob ich mich dem Ziele der christlichen Vollkommenheit ge= nähert, oder von demselben entfer= net, meine Seligkeit, oder meine Schuld und Strafbarkeit vermehrt und vergrößert habe. Führe, ach führe mich, Höchster, auf ewige Wege. Amen.

Bei der Beichte.

Gott, der du Alles weißt, Alles siehest und kennest, dem tein gott los Wesen gefällt, und vor dem Niemand bleibet, der böse ist; der du aber auch allen reuigen und gläubigen Sündern um Jefu wil­len Gnade und Vergebung verhei­ßen hast, ich erkenne es vor dir, daß ich gesündiget und übelgethan habe; ich weiß es, daß ich mich durch meine Sünden der gerechten Strafen schuldig gemacht habe, die du den Uebertretern deiner Gefeße gedrohet hast; ich erfahre es, daß die Sünde der Leute Verderben fei.

Bin ich auch meinem Borsage treu geblieben, habe ich auch den Entschluß wirklich ausgeführt, den ich so oft, und auch nur bei mei­ner legten Communion faßte? Wie mangelhaft, wie unvollkommen ist doch dieß geschehen. Und bei dem 2llen muß ich bekennen, daß ich lange noch nicht so weit gekommen, lange noch nicht der weise, gläubi: ge, gebesserte, Jesu ähnliche Mensch bin, der ich als Christ werden und sein konnte; bekennen muß ich es mit Beschämung und Reue, daß ich noch manchen Fehler, manche Sünde begangen habe, die ich nicht begehen sollte, noch manche Schwachheit an mir trage, die ich, vielleicht schon längst, überwunden haben sollte; daß ich, in Verglei= chung der Länge meiner Lebenszeit und der Kraft, die Jesus darbie tet, bei Weitem noch nicht so geübt im Guten, so stark im Glauben,

so tüchtig in allen guten Werken, so ruhig und glückselig bin, als ein Christ sein kann; daß ich insbeson= dere dich, meinen Bater, nicht ge= nugsam liebe, Jesum, meinen Heiz land und Seligmacher, nicht hoch genug schäße, die Menschen, meine Brüder, nicht mit herzlicher Brus derliebe umfasse; daß ich bei Wei­tem noch nicht ganz christlich denke und handle und sich auch in meine besten Handlungen unedle Absichten mischen; daß noch ein großer Ab­stand ist zwischen mir und meinem Herrn und Vorgänger, zwischen ſeiz nen Gesinnungen und meinen Ges sinnungen, zwischen seinem Verhal: ten und meinem Verhalten.

Vielleicht aber habe ich auch meis nen Vorsag gar nicht erfüllt; viel: leicht bin ich seitdem nicht besser, sondern schlimmer worden, trage die Fehler, die bösen Gewohnhei= ten noch an mir, die ich sonst an mir hatte, habe sie noch tiefer ein­wurzeln lassen, habe sie mit neuen vermehrt, bin eben so undankbar gegen dich, den huldreichsten, güz tigsten Vater, bin eben so unges horsam gegen meinen Heiland und Herrn, so gleichgültig gegen sein Verdienst, so unähnlich seinem Eben­bilde, bin eben so unzufrieden mit dir und deinen Schickungen, eben so lieblos gegen meinen Näch­sten, eben so kalt und unempfindlich gegen Menschenwohl, eben so untreu und nachlässig in meinem Berufe gewesen, als ich es vorher war, bin noch ein Knecht der Sünde, ein Sklave des Lasters. Und wenn ich das gewesen bin und noch bin; ist es nicht ganz meine eigne Schuld? War es mir mit meiner Zukehrung von der Sünde zu Gott ein rechter Ernst? war ich recht besorgt und bekümmert um das Heil meiner Seele? habe ich die Mittel der Besserung so oft und so wohl ge­braucht, als ich sie hätte brauchen sollen? habe ich über die Lehren und Vorschriften Jesu, über seine Liebe zu mir und zu andern Sün­dern ernsthaft nachgedacht und mir sein Vorbild zum Muster der Nach­