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Dresdner Gesangbuch, auf höchsten Befehl herausgegeben : mit königl. Sächs. allergnädigstem Privilegio
Entstehung
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Bußübungen.

Heils und der Seligkeit, die er uns erworben hat, nicht froher und glückseliger, als in dem Be­size und Genusse der Güter der Welt; freue ich mich der Erde mehr, als des Himmels; trachte ich nach dem, was auf Erden ist, eifriger, als nach dem, das droben ist; wün­sche ich nicht, einmal anders und besser zu werden: dann, dann darf ich es nicht wagen, zum Tische Jesu zu nahen, dann darf ich mir keinen Nußen davon versprechen, dann esse und trinke ich mir selbst das Gericht.

Nein, das sei ferne von mir. Ich will mich jest aus der 3er­streuung sammeln; auf Jesum will ich mein Gemüthe hinrichten, bes denken will ich, was er für die Welt gethan, gelitten und auf geopfert hat, und wie selig ich durch ihn bin, und sein und wers den kann, ich will mich nicht bloß für seinen Bekenner und Nachfolger ausgeben, sondern es in der That und Wahrheit zu sein und zu wer­den suchen; ich will aller Sünde mit allem Ernste entfagen, immer mehr mich von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes reinigen, und der Heiligung nachjagen in der Furcht Gottes; ich will vergessen, was hinter mir ist, und vorwärts eilen nach dem Kleinode, welches mir vorhält meine himmlische Be­rufung in Chrifto Jesu.

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mit dem Ernste, mit der Aufrich­tigkeit und Wahrheitsliebe thun, die dieses wichtige Geschäft von mir fodert; möchte ich bei dem Ge fühle meiner Schwachheit und Sünde haftigkeit mit schmerzlicher Scham und Reue, aber auch mit dem ernstlichen Vorsage und dem red­lichen Bestreben der Besserung durch­drungen und belebt werden. Wenn ich an deine Liebe denke, womit du uns alle von Ewigkeit geliebet hast in Christo Jesu; wenn ich. überlege, mit welchen Vorzügen du uns, seine Bekenner, vor al­len Völkern der Erde durch ihn bez gnadiget, welche Mittel des Un­terrichts und der Besserung, welche Kraft und Stärke zum Leben und göttlichen Wandel du uns verlies hen haft und verleihen willst; wenn ich erwäge, wozu du uns als Christen berufen, welcher Glück­seligkeit du uns fähig gemacht, welche Aussichten in die zukünftige Welt du uns eröffnet haft; wenn ich bedenke, wie sehr uns dieses Alles zum Glauben und Vertrauen, zur Liebe und Dankbarkeit, zur willigsten, eifrigsten Beobachtung deiner Geseße, zu einem vorzüglich heiligen Sinne und Wandel an treiben sollte; und wenn ich mit dem Allen mein Verhalten vergleiche: dann, ja dann muß ich mich schä­men, dann, ja dann darf ich es kaum wagen, meine Augen aufzu­heben zu dir.

laß dir meinen Entschluß wohl­gefallen, theuerster Heiland, laß ihn That und Wahrheit, und die Feier deines Nachtmals für mich recht nüglich und gesegnet, mit jedem Male nüßlicher und gesegne ter werden. Amen.

Bußübungen.

Vor der Beichte. Gott, vor dir, dem Allwissenden und Allgegenwärtigen, will ich über mein bisheriges Verhalten nach denken und mein Herz und meine Wege erforschen. Möchte ich es

Ich bin dein Geschöpf, dein Kind, ein Erlöseter Jesu Christi, ein Erbe der Unsterblichkeit, von dir mit großen Fähigkeiten und Anlagen ausgerüstet, zu erhab­nen Absichten bestimmt, zu ei ner ewigen Herrlichkeit berufen in Christo Jesu. Wie hab' ich nun als ein solcher gedacht und gehan­delt? Hab' ich dich als meinen Schöpfer erkannt und gepriesen, dir als meinem Herrn gehorcht, dich

als meinen Bater geliebet? Bin ich das worden, was ich als dein Geschöpf, dein Kind, dein Erlöseter, durch deine Gnade und die Gnade deines Sohnes und Geistes wer=