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Dresdner Gesangbuch, auf höchsten Befehl herausgegeben : mit königl. Sächs. allergnädigstem Privilegio
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440 and Communionandachten.

geben hat. Es soll meiner Zugend neue Kraft und neues Leben mit theilen, soll mich von der Sünde zurückschrecken und in dem Ent­schlusse stärken, mich Jesu ganz zu heiligen. Es soll endlich mich ru­higer und zufriedner im Leben, ge= troster in der Noth und im Tode, in Zeit und Ewigkeit seliger machen. Und wenn ich diesen Nußen von der Feier des Abendmals verspüre, wenn ich durch jeden Gebrauch desselben im Glauben fester, in der Zugend stärker, im Herzen ruhiger, zu­friedner und seliger werde, so effe und trinke ich würdig. Wer aber diesen Nußen von dem Gebrauche des Abendmals nicht hat, wer das durch neue Stärke im Glauben, neue Kraft zur Tugend, neuen Trost und neue Hoffnung nicht er langt, wer eben so schwach bleibt im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung, als er zuvor war, wer immer noch die Sünde liebt und thut, wie ehedem, der isset und trins ket unwürdig.

Befinde ich mich nun fest in einer folchen Gemüthsverfassung, daß ich das heilige Abendmal würdig und mit Nugen gebrauchen kann? Habe ich Zeit genug, meine Gedanken zu sammeln und sie mehr, als sonst, auf Jesum zu richten? Ist Jesus meinem Herzen theuer, ist mir das Andenken an ihn erwünscht und willkommen? Erkenne und schäße ich seine Liebe und sein Verdienst? Weiß ich es, wie viel ich ihm schul­dig bin? Glaube ich mit 3uver­sicht, in ihm meinen Heiland und Seligmacher, so wie den Heiland und Seligmacher der ganzen Welt zu finden? Bin ich bis zu einer lebendigen Ueberzeugung gewiß: daß ich, wenn ich an ihn glaube, nicht verloren gehn, nie unglückselig sein und werden, sondern das ewige Le­ben haben werde? Empfinde ich Dankbarkeit, Liebe, Vertrauen und Gehorsam gegen ihn? Giebt mir mein Herz und Leben das Zeugniß: daß ich in der That und Wahrheit ein Nachfolger Jesu bin, daß ich mich beeifte, es zu sein, und seinen

Belehrungen, seinen Vorschriften und seinem Vorbilde gemäß zu den= ten, gesinnt zu sein und zu handeln? Wünsche ich mir neue Kraft, zu le= ben im Glauben des Sohnes Gottes, in diesem Glauben zu beharren bis ans Ende, und in diesem Glauben den Gott zu lieben, der uns zuerst geliebet hat, Sesum zu lieben, der uns geliebet hat bis in den Tod, alle Mitchristen zu lieben, weil wir Glies der eines Leibes sind, dessen Haupt Christus ist, alle Menschen zu lie­ben, weil Christus sich für alle da= hingegeben hat, auch Feinde zu lie­ben, weil Christus für uns gestorben ist, da wir noch seine Feinde waren? Freue ich mich Jesu und meiner Ges meinschaft mit ihm, finde ich mich in derselben glückselig, wünsche ich, ihm immer näher zu kommen, immer noch inniger mit ihm verbunden zu werden? Ist das die Stimmung meines Gemüths, ist dieß wirkliche Empfindung, wirklicher Wunsch, wirkliches Streben meiner Seele, dann befinde ich mich in einem solchen Zustande, in welchem ich das heilige Abendmal mit Nußen feiern kann. Und je mehr dieß die Stimmung mei­nes Gemüths ist, mit desto größerm Nußen werde ich das Abendmal des Herrn feiern.

Bin ich aber jegt zu sehr zer= streut in die Geschäfte und Sors gen dieses Lebens; mangelt es mir an Zeit zum ruhigen Nachdenken über Jesum; ist mir Jesus gleich­gültig; bin ich unempfindlich ge­gen seine Liebe und seine Wohl­thaten; ist mir sein Tod am Kreuze nicht wichtig; zeige ich meinen Glau­ben nicht durch meine Werke; gebe ich mich bloß für seinen Nachfolger aus, und bin es nicht in der That und Wahrheit; bin ich noch fern von dem Leben, das aus Gott ist; bin ich noch ein Sklave der Sünde und des Lasters; nähre ich Haß und Neid, Zorn und Rache, Geiz und Wollust in meinem Herzen; erkenne, empfinde ich es nicht, wie felig man ist in der Gemeinschaft mit Jesu; fühle ich mich in dem Besize und Genuffe der Güter des