Geschichte der Zerstörung Jerusalems. 43
ten. Die mehrsten begaben sich in das Städtchen Bella, jenseits des Jordans, wo sie vor den Gefahren des Kries ges sicher waren.
Im Jahre 67 nach Christi Geburt rückte nun der römische Feldherr Vespasian, auf Befehl des Kaisers Nero, in Galiláa ein und verbrannte Städte und Dörfer, wobei viele tausend Juden erschlagen wurden. Bei der Belagerung der Festung Jotapata wehrten sich die Juden so verzweifelt, daß vierzigrausend dabei umkamen. Vespasian, ließ auf einmal sechstausend junge Männer als Sklaven nach Achaja wegführen, um an der Landenge von Korinth zu graben; dreißigtausend ließ er zu Sklaven verkaufen; fünftausend stürzten sich selbst aus Verzweiflung von hohen Felsen herab. Unter solchen Verwüstungen rückte Vespasian mit seinem Heere der Stadt Jerusalem immer näher. Während dieser Zeit rieben sich die Juden durch Parteisucht und innere Unruhen selbst auf. Es gab falsche Propheten und Zeloten, oder Eiferer, welche vorgaben, daß sie aus Eifer für die Religion stritten und dem Volke einbildeten, Gott werde in der Noth den Messias senden und sie retten. Diese Menschen bekamen großen Anhang, und da sie in Parteien gerheilt waren, richteten sie sich selbst zu Grunde. Sie riefen sogar die Idumåer oder Edomiter zu Hülfe, drangen mit ihnen in die Stadt Jerusalem ein, und mordeten zwei Hohepriester und zwölftausend vornehme Juden mit unmenschlicher Grausamkeit.
Im Jahre 69 nach Christi Geburt ward Vespasian zum Kaiser von Rom ausgerufen; und er übergab nungdie Fortsegung des jüdischen Krieges seinem Sohne Titus. Dieser fing die Belagerung Jerusalems an im Jahre 70 nach Christi Geburt, eben um das Osterfest, da eine große Menge Juden aus allen Gegenden, um des Festes wil len, sich in Jerusalem befand, so, daß mehrere hundert Tausende von dem römischen Heere eingeschlossen wurden. Dieß war ein Unglück, denn so viele Menschen brauchten auch viele Lebensmittel, woran es bald zu mangeln anfing. Denn die Aufrührer hatten einander die Vorrathshäuser selbst zerstört und geplündert, und so auch einen großen Theil des Volks seiner Nabrungsmittel
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