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Allgemeines Evangelisches Gesangbuch für das Großherzogthum Hessen : [nebst] Gebäte zur Hausandacht [und] Episteln und Evangelien auf alle Sonntage und hohe Feste [und] Der kleine Katechismus D. M. Luthers
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42 Geschichte der Zerstörung Jerusalems.

mußte, was Jesus einst mit Thränen des Mitleids über die Bewohner Jerusalems gesprochen hatte: ,, Es wird die Zeit kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, und wers den dich belagern und an allen Orten ångstigen; und wer­den dich schleifen, und keinen Stein auf dem andern las sen; daß du die Zeit der angebotenen Gnade nicht erken­nen wolltest."

Das Unglück über die Juden nahm seinen Anfang im Jahre 66 nach Christi Geburt, da sie an verschiedenen Orten die Waffen wider die Römer ergriffen, um sich von der Oberherrschaft derfelben zu befreien. Hierzu

reizte das Volk die Tyrannei und Bedrückung des römis schen Statthalters Gessius Florus, und es fehlte nicht an Verführern des Volks, welche sich zum Theil, wie Jesus vorher gesagt hatte, für den Messias, oder für Prophe­ten ausgaben. Der König Agrippa der jüngere gab sich zwar alle Mühe, das Volk zu besänftigen, und ein Theil desselben wollte auch zur Treue gegen den römischen Kai­ser zurückkehren; aber die übrigen wurden noch mehr er­bittert, da sich Räuber und Mörder mit ihnen verban­den. Sie griffen die römische Befazung zu Jerusalem an und tödteten sie. Nun breitete sich der Geist des Aufruhrs über das ganze Königreich aus. Man sab nichts als Rau­ben, Morden und alle Arten von Grausamkeit. Die Ju­den tödteten die Römer, und die Römer die Juden bei Tausenden. Unterdessen rückte der römische Statthalter in Syrien, Cestius Gallus, mit einem Kriegsbeere in Ju­dåa ein, brannte Städte und Dörfer ab, machte viele Menschen nieder und zog endlich vor Jerusalem. Er bea mächtigte sich wirklich des größten Theils der Stadt; konnte aber die Gegend um den Tempel nicht erobern, sondern muste sich mit großem Verluste zurückziehen. Dieß erhob den Muth der Juden so sehr, daß sie über Gali­laa, Jerusalem und Idumda besondere Befehlshaber setz­ten, um den Krieg gegen die Römer desto nachdrücklicher fortzuseßen.

Jeßt sahen die Christen in Jerusalem die Merkmale, die Jesus ihnen gegeben hatte; der Gräuel der Verwü­stung nahete in den römischen Kriegsheeren, und sie such­ten sich durch Flucht aus Jerusalem und Judáa zu ret­

ten.