Nachdenken über das heil. Abendmal. 545
Barmherzigkeit und Freundlichkeit, soll mich nun auch in dem Fleiß aller der edlen Werke stärken, die mir die Religion dieses meines Heilandes gebeut; und deren Summe ist, Menschenliebe, gebildet nach dem Muster Gottes.
Noch andere Abendmals- Betrachtungen.
1) Auch ich, der ich dieß gesegnete Brod esse, und aus diesem Becher trinke, gehöre zu denen, welche Gott so geliebet, daß er seines eingebornen Sohnes nicht verschonet hat. Auch auf mich siehest du, o Gott mit Wohlgefallen herab, da ich die Siegel deiner gnädigen Wirkungen in der Besserung und Heiligung meiner Seele an mir sehe. Mein ist der Reichthum deiner Erbarmung für meine vormaligen Sünden. Auch mir beweisest du väterliche Nachsicht: Auch mich wirst du unsträflich bewahren bis ans Ende. Mein ist die ganze Fülle deiner Macht und Liebe! so gewiß, als ich dieses Brod esse und diesen Wein trinke.
2) Herr! vor deinem Throne in den Staub hingeworfen, flehe ich: Laß jenen großen Endzweck des Leidens und Todes meines Heilandes, mich dadurch zum Gliede seines eigenthümlichen Volks zu machen, welches recht eifrig in allen Tugendthaten sei diesen Zweck laß mir stets, stets vor Augen schweben.- Laß mich seinen Tod, seine Religion bei jeder schicklichen Gelegenheit mit dem Munde preisen: ihn bis an den letzten Hauch meines Lebens, als mein theuerstes Kleinod erheben. Laß mich ihn aber auch vornehmlich mit meinem Wandel prei sen! Ach, dieser werde immer mehr ein Abdruck seines Musters, und deines großen Erempels, o Vater!
3) Laß mich insbesondere immer mehr der redliche, Herzliche, allgemeine Freund deiner Menschen werden, der Er war, und der Du bist!
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