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Geistliche Oden und Lieder / von C. F. Gellert. Mit einem dreifachen Register und dem Einmaleins
Entstehung
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105.

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Der Ruf des Lebens, daß du lebst, Dein höchstes Ziel, nach dem du strebst, Und deiner Tage Rechenschaft Ist Tugend in des Glaubens Kraft.

Ihr alle seine Tage weih'n, Heißt eingedenk des Todes sein; Und wachsen in der Heiligung, Ist wahre Todserinnerung.

Wie oft vergesf ich diese Pflicht, Herr, geh mit mir nicht in's Gericht: Drück' selbst des Todes Bild in mich, Daß ich dir wandle würdiglich.

Daß ich mein Herz mit jedem Tag Vor dir, o Gott, erforschen mag, Ob Liebe, Demuth, Fried' und Treu' Die Frucht des Geistes in ihm sei.

Daß ich zu dir um Gnade fleh', Stets meiner Schwachheit widersteh', Und einstens in des Glaubens Macht Mit Freuden ruf': Es ist vollbracht!

53. Beständige Erinnerung des Todes.

Was sorgst du ängstlich für dein Leben? Es Gott gelassen übergeben,

Ist wahre Rub' und deine Pflicht. Du sollst es lieben, weislich nüßen, Gs dankbar als ein Glück besitzen, Verlieren, als verlörst du's nicht.