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Geistliche Oden und Lieder / von C. F. Gellert. Mit einem dreifachen Register und dem Einmaleins
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Der, den der Tod nicht weiser macht, Hat nie mit Ernst an ihn gedacht.

Wir leben hier zur Ewigkeit, Zu thun, was uns die Pflicht gebeut, Und unsers Lebens kleinster Theil Ist eine Frist zu unserm Heil.

Der Tod rückt Seelen vor Gericht; Da bringt Gott alles an das Licht, Und macht, was hier verborgen war, Den Rath der Herzen offenbar.

Drum, da der Tod dir täglich dräut, So sei doch wacker und bereit, Prüf deinen Glauben als ein Christ, Ob er durch Liebe thätig ist.

Ein Seufzer in der letzten Noth, Ein Wunsch, durch des Erlösers Tod Vor Gottes Thron gerecht zu sein, Dieß macht dich nicht von Sünden rein.

Ein Herz, das Gottes Stimme hört, Ihr folgt und sich vom Bösen kehrt; Ein gläubig Herz, von Lieb' erfüllt, Dieß ist es, was in Christo gilt.

Die Heiligung erfordert Müh'; Du wirkst sie nicht, Gott wirket sie; Du aber ringe stets nach ihr, Als wäre sie ein Werk von dir.