94
47. Wider den Geiz.
Wohl dem, der bess're Schätze liebt, Als Schäße dieser Erden! Wohl dem, der sich mit Eifer übt, An Tugend reich zu werden, Und in dem Glauben, daß er lebt, Sich über diese Welt erhebt!
Wahr ist es, Gott verwehrt uns nicht, Hier Güter zu besitzen,
Er gab sie uns und auch die Pflicht, Mit Weisheit sie zu nüßen.
Sie dürfen unser Herz erfreun Und unsers Fleißes Antrieb sein.
Doch nach den Gütern dieser Zeit Mit ganzer Seele schmachten, Nicht erst nach der Gerechtigkeit
Und Gottes Reiche trachten; Ist dieses eines Menschen Ruf, Den Gott zur Ewigkeit erschuf?
Der Geiz erniedrigt unser Herz, Erstickt die edlern Triebe.
Die Liebe für ein schimmernd Erz Verdrängt der Tugend Liebe, Und machet, der Vernunft zum Spott, Ein elend Gold zu deinem Gott.
Der Geiz, so viel er an sich reißt, Läßt dich kein Gut genießen;
Er quält durch Habsucht deinen Geist Und tödtet dein Gewissen.


